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Kanada
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Kanada (englisch und französisch Canada) ist ein föderaler Staat in Nordamerika, der zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen liegt und nordwÀrts bis zum Arktischen Ozean reicht. Bundeshauptstadt ist Ottawa, die bevölkerungsreichste Stadt ist Toronto.
Kanada grenzt im SĂŒden und im Nordwesten an die Vereinigten Staaten, im Osten an das französische Ăberseegebiet Saint-Pierre und Miquelon und mit der 2022 geschaffenen Grenze ĂŒber die Hans-Insel an Grönland. Gemessen an der FlĂ€che ist es nach Russland der zweitgröĂte Staat der Erde, hat etwa 40 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von nur vier Personen pro Quadratkilometer.
Die Besiedlung durch die First Nations begann spĂ€testens vor 12.000 Jahren, die Inuit folgten vor rund 5000 Jahren. SpĂ€testens im 11. Jahrhundert und erneut ab dem spĂ€ten 15. Jahrhundert erreichten EuropĂ€er das heutige Gebiet des Staates und begannen um 1600 mit der Kolonisierung. Dabei setzten sich zunĂ€chst Franzosen und Briten fest. Damals breitete sich die Bezeichnung âCanadaâ aus, ursprĂŒnglich der Name eines Irokesendorfes. Frankreich trat 1763 seine Kolonie Neufrankreich an GroĂbritannien ab (siehe unten). 1867 grĂŒndeten drei britische Kolonien die Kanadische Konföderation. Mit dem Statut von Westminster erhielt der Staat 1931 gesetzgeberische UnabhĂ€ngigkeit. Weitere verfassungsrechtliche Bindungen zum Vereinigten Königreich wurden 1982 aufgehoben.
Kanada ist ein Königreich innerhalb des Commonwealth of Nations. Nominelles Staatsoberhaupt ist somit König Charles III., der durch den Generalgouverneur von Kanada vertreten wird. Kanada ist ein auf dem britischen Westminster-System basierender parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat und eine parlamentarische Monarchie. Auf bundesstaatlicher Ebene sind Englisch und Französisch Amtssprache.
Die UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen QuĂ©becs, die Stellung der frankophonen Kanadier und die Rechte der indigenen Völker (neben den First Nations und Inuit die MĂ©tis) sind wichtige Konfliktlinien in Staat und Gesellschaft. Die Themen Klimawandel und Umweltschutz, Einwanderungspolitik und RohstoffabhĂ€ngigkeit sowie das VerhĂ€ltnis zu den Vereinigten Staaten â von denen kulturell und historisch bedingt ein ambivalentes Bild besteht â kennzeichnen die öffentlichen Debatten.
Contents
âą Geographie
âą Klima
âą Flora und Fauna
⹠BallungsrÀume
âą Landesname
âą Geschichte
âą Kolonialisierung
⹠Bevölkerung
âą Indigene Ethnien
âą Sprachen
âą Religion
âą Politik
âą AuĂenpolitik
⹠MilitÀr
âą Bildungspolitik
âą Umweltpolitik
âą Wirtschaft
âą AuĂenhandel
âą Staatshaushalt
âą Medien
âą Presse
âą Radio
âą Fernsehen
âą Infrastruktur
âą StraĂen
âą Flugverkehr
âą Eisenbahn
âą Schifffahrt
âą Kultur
âą Indigene Kultur
âą Musik
âą Film
âą Theater
âą Literatur
âą Sport
âą Feiertage
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Geographie
â
Hauptartikel
:
Geographie Kanadas
Ausdehnung und Grenzen
Kanada ist mit einer FlĂ€che von 9.984.670 kmÂČ nach Russland der zweitgröĂte Staat der Erde und fast so groĂ wie Europa. Der Staat nimmt rund 41 % Nordamerikas ein. Im SĂŒden und Nordwesten hat Kanada die lĂ€ngste Landgrenze der Welt zu den Vereinigten Staaten. Ein weiterer Nachbar ist das dĂ€nische Autonomiegebiet Grönland, das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy-Kanal von der nördlichsten kanadischen Insel, Ellesmere Island, getrennt wird. Die winzige Hans-Insel war bis 2022 zwischen beiden Staaten umstritten, ehe sie durch das Ziehen einer etwa 1,2 Kilometer langen Staatsgrenze quer ĂŒber das Eiland aufgeteilt wurde. SchlieĂlich existiert mit der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon sĂŒdlich von Neufundland ein Ăberbleibsel der französischen Kolonie Neufrankreich.
Die Nord-SĂŒd-Ausdehnung erstreckt sich von 83,11° nördlicher Breite am Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut bis zur Insel Middle Island im Eriesee bei 41,68° (etwa die Breite von Rom) und betrĂ€gt somit 41,43° oder 4634 Kilometer. Die gröĂte Ost-West-Entfernung betrĂ€gt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland (52,62° W) bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska (141° W). Die GesamtlĂ€nge der Grenze zwischen Kanada und den USA betrĂ€gt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 243.042 Kilometern zugleich die lĂ€ngste KĂŒstenlinie der Welt. Die gröĂte Insel ist die Baffininsel im Nordosten, welche mit einer FlĂ€che von 507.451 kmÂČ zugleich die fĂŒnftgröĂte Insel der Welt ist. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. 9.093.507 kmÂČ Kanadas sind Land- und 891.163 kmÂČ WasserflĂ€che.cite-ref-7[7]
Kanada hat Anteil an sechs Zeitzonen, siehe hierzu Zeitzonen in Kanada.
Geologie und Landschaftsgliederung
Das geologische Grundgebirge der östlichen Provinzen sind alte, abgetragene Berge neben noch Ă€lteren Abschnitten des Kanadischen Schildes, die bis zu 4,03 Milliarden Jahre alt sind.cite-ref-8[8] Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der Ă€ltesten Gesteine. Um die Hudson Bay gelegen, nimmt er fast die HĂ€lfte des Staatsgebiets ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen QuĂ©bec und in Labrador ist die Landschaft flach und hĂŒgelig. Das GewĂ€ssernetz ist dicht, die EntwĂ€sserung der Region erfolgt ĂŒber eine Vielzahl von FlĂŒssen. Die sĂŒdliche HĂ€lfte des Schildes ist mit borealen WĂ€ldern bedeckt, wĂ€hrend die nördliche HĂ€lfte einschlieĂlich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach.
Westlich und sĂŒdlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die GroĂen Seen. Die natĂŒrliche Vegetation des sĂŒdlichen Teils der dort liegenden PrĂ€rieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta ist das PrĂ€riegras. Der nördliche Teil dagegen ist bis zur Tundra-Zone bewaldet.
Die teils vulkanisch aktiven GebirgszĂŒge der Coast Range und der Rocky Mountains, wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias, dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-SĂŒd-Richtung durch Yukon und British-Columbia, die dortige KĂŒstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der KĂŒste liegt Vancouver Island, ein AuslĂ€ufer des KĂŒstengebirges.
Die höchsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains â höchster Berg ist der 5959 m hohe Mount Logan im Territorium Yukon â und der Kette der KĂŒstengebirge am Pazifischen Ozean (Coast Mountains und Kaskadenkette). Ein weiteres wichtiges System verlĂ€uft entlang der NordostkĂŒste von Ellesmere Island (Arktische Kordillere) bis zu den Torngatbergen in QuĂ©bec sowie in Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die nördlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge.
Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als WasserstraĂe zwischen den GroĂen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlĂ€ngster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Nordwest-Territorien. Weitere bedeutende FlĂŒsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser, der Nelson, der Churchill und der Manicouagan sowie NebenflĂŒsse wie der Saskatchewan River, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.
Kanada ist zudem ein ĂŒberaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind gröĂer als 100 kmÂČ.cite-ref-9[9] Zu den gröĂten Seen gehören der GroĂe BĂ€rensee (31.153 kmÂČ), der GroĂe Sklavensee (27.048 kmÂČ), der Winnipegsee (24.420 kmÂČ), der Athabascasee (7.850 kmÂČ) sowie die GroĂen Seen (zusammen rund 245.000 kmÂČ), durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum sĂŒdlichen Nachbarland verlĂ€uft. Der gröĂte gĂ€nzlich in Kanada gelegene See ist der GroĂe BĂ€rensee in den Nordwest-Territorien.
Klima
Kanada umfasst unterschiedliche Klimazonen (vom Polarklima bis zum gemĂ€Ăigten Klima). Ăberwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen, kalten Wintern und kurzen, heiĂen Sommern den gröĂeren Teil Kanadas. Im Winter 2004/2005 wurden Temperaturen von â58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen;cite-ref-10[10] die tiefste je gemessene Temperatur wurde mit â63 °C in Snag im selben Territorium am 3. Februar 1947 aufgezeichnet.cite-ref-11[11] Die höchste Temperatur wurde in Lytton (British Columbia) mit 49,6 °C am 28. Juni 2021 ermittelt.cite-ref-12[12]
An der WestkĂŒste findet man maritimes Klima mit hohen NiederschlĂ€gen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des KĂŒstengebirges abregnet. Den Niederschlagsrekord hĂ€lt Ucluelet in British Columbia mit 489,2 mm an einem einzigen Tag (6. Oktober 1967). Die Jahreszeiten sind in den Provinzen QuĂ©bec und Ontario am deutlichsten ausgeprĂ€gt, mit kalten Wintern, milden FrĂŒhjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwĂŒl-heiĂen Sommern mit Durchschnittstemperaturen um 25 °C.
Am hÀufigsten leiden die PrÀrieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba unter Trockenheit. Eines der trockensten Jahre war das Jahr 1936, das trockenste jedoch 1961. Regina erhielt 45 % weniger Regen als im Durchschnitt. 1988 war so trocken, dass jeder zehnte Farmer aufgeben musste. Das wÀrmste Jahr in Kanada war das Jahr 1998.cite-ref-13[13]
Flora und Fauna
GroĂe Naturgebiete, vor allem in den Tundra- und Bergregionen, bedecken 70 % Kanadas. Das entspricht 20 % der weltweit verbleibenden Wildnisgebiete (ohne Antarktis). Noch ist mehr als die HĂ€lfte der ausgedehnten WĂ€lder Urwald.cite-ref-forestwatch-14-0[14] Die nördliche Waldgrenze verlĂ€uft von der OstkĂŒste Labradors ĂŒber die Ungava-Halbinsel Richtung SĂŒden entlang des Ostufers der Hudson Bay und setzt sich anschlieĂend schlangenlinienförmig Richtung Nordwesten zum Unterlauf des Mackenzie und weiter nach Alaska fort. Nördlich der Baumgrenze gibt es kaum oder gar keinen fruchtbaren Boden (Tundra). Die Vegetation der sĂŒdlichsten Tundragebiete besteht aus niedrigem Buschwerk, GrĂ€sern und Riedgras. Die nördlichsten Gebiete sind zu weniger als einem Zehntel mit den fĂŒr die Polarregion typischen Moosen bedeckt.
SĂŒdlich der Baumgrenze, von Alaska bis Neufundland, schlieĂt sich eines der gröĂten Nadelwaldgebiete der Welt an. Im Osten, von den GroĂen Seen bis zu den KĂŒsten, wachsen hauptsĂ€chlich MischwĂ€lder mit Zuckerahorn, Buchen, Birken, Kiefern und Hemlocktannen. Die Tiefebenen im Ă€uĂersten SĂŒden sind mit reinen LaubwĂ€ldern bedeckt. Hier gedeihen neben HickorybĂ€umen, Eichen und Ulmen, Kastanien, Ahorn und WalnussbĂ€ume. In den westlichen Berggebieten sind die Fichte, Douglasie und Lodgepole-Kiefer am weitesten verbreitet, in Hochebenen wachsen auĂerdem Zitterpappel und Gelb-Kiefer. Die Vegetation der niederschlagsreichen PazifikkĂŒste wird von WĂ€ldern aus dichten, hohen Douglasfichten, westlichen Rot-Zedern und Hemlocktannen beherrscht. Das PrĂ€rieland ist zu trocken, um mehr als vereinzelte Baumgruppen hervorzubringen. Vom ursprĂŒnglich weiten, hĂŒgeligen Grasland ist heute nur noch wenig ĂŒbrig; es ist dem heute berĂŒhmten WeizengĂŒrtel Kanadas gewichen.
Die arktischen GewĂ€sser bieten Nahrung fĂŒr Wale, Walrosse, Seehunde und fĂŒr EisbĂ€ren. In den Tundren leben Moschusochsen, Karibus, Polarwölfe, PolarfĂŒchse, Polarhasen und Lemminge, vereinzelt auch VielfraĂe; viele Zugvögel verbringen hier den Sommer, darunter Alke, Enten, Möwen, Seeschwalben und andere Seevögel. Die WĂ€lder im Norden sind ein idealer Lebensraum fĂŒr Karibus und Elche, Luchse, Schwarz- und BraunbĂ€ren. Doch gehen die BestĂ€nde der riesigen Karibuherden aufgrund von Industrialisierung und winterlichen FreizeitaktivitĂ€ten, vor allem aufgrund der Störungen durch motorisierte Schlitten, zurĂŒck. Die Bedeutung der Jagd ist hierbei rĂŒcklĂ€ufig.cite-ref-15[15]
FĂŒnf Milliarden Vögel kommen jeden Sommer in die borealen WĂ€lder. Daher hat Kanada 1917 zusammen mit den USA angefangen, Schutzgebiete fĂŒr Zugvögel einzurichten. Heute bestehen 92 solcher Gebiete mit einer GesamtflĂ€che von etwa 110.000 kmÂČ.cite-ref-16[16] Zur artenreichen Vogelwelt zĂ€hlen der Kardinal, der WaldsĂ€nger, der WeiĂkopfseeadler und die Spottdrossel sowie der seltene Marmelalk, der nur in alten WĂ€ldern ĂŒberleben kann.
Biber, Marder, Bisamratten, Nerze sind auch heute noch Grundlage des inzwischen unbedeutenden Pelzhandels. Weiter im SĂŒden findet man Wapitis, wĂ€hrend es in dichter besiedelten Landstrichen vor allem kleinere SĂ€ugetiere, wie Grau- und Backenhörnchen, Wiesel und Otter gibt. In den PrĂ€riegebieten leben kleinere Tiere, wie PrĂ€riehasen, Taschenratten und das Spitzschwanzhuhn sowie Bisons und Gabelböcke. In den westlichen Bergen gibt es Dickhornschafe und Schneeziegen.
Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt steht in 44 Nationalparks, weit ĂŒber tausend Provinzparks und Naturreservaten unter Schutz. GröĂtes Schutzgebiet ist der 44.802 kmÂČ groĂe Wood-Buffalo-Nationalpark im nördlichen Teil von Alberta und den Nordwest-Territorien, in dem zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten vertreten sind. Bemerkenswert ist der dortige, mit etwa 6000 Tieren gröĂte Bestand frei lebender Bisons der Welt. In vielen Seengebieten braucht der Mensch besonders im Sommer strenge Vorkehrungen gegen Insektenbisse, da Stech- und KriebelmĂŒcken in sehr hoher Dichte leben.
BallungsrÀume
â Siehe auch: Liste der StĂ€dte in Kanada
Von den ĂŒber 38 Millionen Einwohnern lebt mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung in den 30 gröĂten StĂ€dten. Geht man von den BallungsrĂ€umen (census metropolitan areas) aus, steigt diese Zahl auf ĂŒber 70 %. Toronto ist das bedeutendste Produktionszentrum und mit 5.928.040 Einwohnern (Stand: 2016) der gröĂte Ballungsraum.cite-ref-17[17] Die Handelsmetropole Montreal zĂ€hlte 4.098.927, Vancouver 2.463.431 Einwohner. Weitere BallungsrĂ€ume sind die Bundeshauptstadt Ottawa-Gatineau (1.323.783), Calgary (1.392.609), Edmonton (1.321.426), QuĂ©bec (800.296), Winnipeg (778.489) und Hamilton (747.545).
Landesname
Der Name Kanada ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Wort kanata abgeleitet, das in der Sprache der Sankt-Lorenz-Irokesen âDorfâ oder besser âSiedlungâ bedeutete.cite-ref-18[18] 1535 gaben Bewohner der Region um die heutige Stadt QuĂ©bec dem französischen Entdecker Jacques Cartier eine Wegbeschreibung zum Dorf Stadacona.cite-ref-19[19] Cartier verwendete daraufhin die Bezeichnung Canada nicht nur fĂŒr dieses Dorf, sondern fĂŒr das ganze Gebiet, das von dem in Stadacona lebenden HĂ€uptling Donnacona beherrscht wurde. Ab 1545 war auf Karten und in BĂŒchern die Bezeichnung Canada fĂŒr diese Region ĂŒblich. Cartier nannte auĂerdem den Sankt-Lorenz-Strom RiviĂšre de Canada, ein Name, der bis zum frĂŒhen 17. Jahrhundert in Gebrauch war. Forscher und PelzhĂ€ndler zogen in Richtung Westen und SĂŒden, wodurch das als âKanadaâ bezeichnete Gebiet wuchs. Im frĂŒhen 18. Jahrhundert wurde der Name fĂŒr den gesamten heutigen mittleren Westen bis Louisiana benutzt. Die seit 1763 britische Kolonie QuĂ©bec wurde 1791 in Oberkanada und Niederkanada aufgeteilt, was etwa den spĂ€teren Provinzen Ontario und QuĂ©bec entsprach. Sie wurden 1841 wieder zur neuen Provinz Kanada vereinigt. 1867 erhielten die neu gegrĂŒndeten Bundesstaaten der Kolonien in Britisch-Nordamerika den Namen âKanadaâ und den formellen Titel Dominion. Bis in die 1950er-Jahre war die amtliche Bezeichnung Dominion of Canada ĂŒblich.cite-ref-20[20]
Mit der zunehmenden politischen Autonomie gegenĂŒber GroĂbritannien verwendete die Regierung mehr und mehr die Bezeichnung Canada in rechtlich bindenden Dokumenten und VertrĂ€gen. Das Kanada-Gesetz 1982 bezieht sich nur noch auf Canada, die inzwischen einzige amtliche (zweisprachige) Bezeichnung.
Geschichte
â
Hauptartikel
:
Geschichte Kanadas
,
Geschichte der First Nations
und
Territoriale Entwicklung Kanadas
Ur- und FrĂŒhgeschichte
Indianer (in Kanada First Nations genannt) besiedelten Nordamerika vor mindestens 12.000 Jahren, was den Anfang der palÀoindianischen Periode markiert. Vor rund 5000 Jahren folgten die Inuit.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] In den Bluefish-Höhlen im nördlichen Yukon fand man die Àltesten menschlichen Spuren in Kanada; in der Charlie-Lake-Höhle fanden sich Werkzeuge aus der Zeit ab etwa 10.500 v. Chr. Aus der Zeit ab etwa 9000 v. Chr. stammen Funde bei Banff und in Saskatchewan, aber auch bereits in Québec.cite-ref-23[23]
Ab etwa 8000 v. Chr. folgte die archaische Phase. Gruppen aus dem Westen erreichten um 7500 v. Chr. das sĂŒdliche Ontario. Dort fanden sich Speerschleudern.cite-ref-24[24] Siedlungsschwerpunkte waren im Osten der untere Sankt-Lorenz-Strom und die GroĂen Seen sowie die KĂŒste Labradors (LâAnse Amour Site) an der im 6. Jahrtausend die ersten gröĂeren GrabstĂ€tten entstanden, spĂ€ter Burial Mounds.
Auf den Great Plains entstanden neue Waffentechnologien und weitlĂ€ufiger Handel, etwa mit Chalzedon aus Oregon und Obsidian aus Wyoming.cite-ref-25[25] In einigen Gebieten wurden noch um 8000 v. Chr. Pferde gejagt; sie verschwanden ebenso wie die Megafauna. Erst spĂ€ter teilte sich der riesige Kulturraum erkennbar in zwei GroĂrĂ€ume auf, die FrĂŒhe Shield- und die FrĂŒhe Plains-Kultur, wobei sich Kupferbearbeitung bereits um 4800 v. Chr. zeigen lĂ€sst.
Im Westen reichen die Spuren bis vor 8000 v. Chr. zurĂŒck, vielfach ohne erkennbaren kulturellen Bruch. So besteht die Kultur der Haida auf Haida Gwaii seit ĂŒber 9500 Jahren. Der Handel mit Obsidian vom Mount Edziza reicht ĂŒber 10.000 Jahre zurĂŒck.cite-ref-26[26]
Vor 2500 v. Chr. bestanden im Westen Siedlungen, dazu Anzeichen sozialer Differenzierung. HausverbĂ€nde bestanden, die sich saisonal zur Jagd in groĂen Gruppen zusammenfanden. Auch in den Plains lassen sich Dörfer nachweisen.
Die Cree, Ojibwa, Algonkin, Innu und Beothuk, die in den frĂŒhen europĂ€ischen Quellen fassbar sind, gehen wohl auf Gruppen der Shield-Kultur zurĂŒck. Die Plainskulturen waren durch Bisons gekennzeichnet, Hunde wurden als Trage- und Zugtiere eingesetzt, das Tipi setzte sich durch sowie die Herstellung von Pemmikan.
Als wichtigste kulturelle VerĂ€nderung der Plateaukultur im westlichen Binnenland gilt der Ăbergang von der Nichtsesshaftigkeit zur Halbsesshaftigkeit mit Winterdörfern und sommerlichen Wanderzyklen um 2000 v. Chr. Eine Ă€hnliche Entwicklung vollzog sich frĂŒher an der KĂŒste, deren Kulturen sich mit den KĂŒsten-Salish in Beziehung bringen lassen. Gegen Ende der Epoche lassen sich erstmals PlankenhĂ€user nachweisen. Einige Salish waren bereits vor 1600 v. Chr. Bauern â wie man von den Katzie weiĂ.cite-ref-27[27] Die Nuu-chah-nulth auf Vancouver Island entwickelten hochseetĂŒchtige Kanus, mit denen sie (als einzige) auf Walfang gingen.
Die Herstellung von TongefĂ€Ăen erreichte das Gebiet des heutigen Kanada wohl von SĂŒdamerika, Pfeil und Bogen kamen um 3000 v. Chr. aus Asien und wurden wahrscheinlich erstmals von PalĂ€o-Eskimos eingesetzt. Der Bogen erreichte die OstkĂŒste ĂŒber die Arktis, kam aber erst rund drei Jahrtausende spĂ€ter in den Westen.cite-ref-28[28]
Mit den KeramikgefĂ€Ăen ab etwa 500 v. Chr. endete an der OstkĂŒste die archaische Phase, die von den Woodland-Perioden abgelöst wurde. Manche Dörfer, meist aus LanghĂ€usern bestehend, waren wohl schon ganzjĂ€hrig bewohnt. Auf die FrĂŒhe Woodland-Periode an den GroĂen Seen und dem Sankt-Lorenz-Strom (etwa 1000 v. Chr. bis 500 n. Chr.) gehen wohl die Irokesen zurĂŒck, aber auch einige der Algonkin-Gruppen.
Bis nach Zentral-Labrador zeigen sich auf dem kanadischen Schild die EinflĂŒsse der Adena-Kultur. Ihre typischen Mounds erscheinen auch in der westlichen Schild-Kultur, beispielsweise im sĂŒdlichen Ontario. Wahrscheinlich kam es infolge der Domestizierung von Wildreis zu einer herausgehobenen Schicht von Landbesitzern (Psinomani-Kultur). Der SĂŒden Ontarios war in die Fernhandels-Beziehungen der Hopewell-Kultur eingebunden. Kupfer wurde im ganzen Osten Nordamerikas verbreitet.
Die spĂ€te Plains-Kultur lebte in hohem MaĂe von Bisons. Fernhandel war weit verbreitet und reichte westwĂ€rts bis zum Pazifik. Im Norden ĂŒberwogen kleinere nomadische Gruppen, wĂ€hrend sich im SĂŒden ein Zyklus saisonaler Wanderungen durchsetzte, deren Mittelpunkt feste Dörfer waren.
Der spĂ€ten Plateau-Kultur lieferten die LaichzĂŒge der Lachse die Nahrung, Ă€hnlich wie an der PazifikkĂŒste. Ab 2500 v. Chr. lĂ€sst sich das so genannte Pit House (âGrubenhausâ) nachweisen, das teilweise in die Erde gegraben wurde und eine bessere Bevorratung ermöglichte.
Die KĂŒstenkultur wurde zwischen 500 v. und 500 n. Chr. als Ranggesellschaft von SĂŒden nach Norden strenger. Eine Schicht fĂŒhrender Familien beherrschte den Handel sowie den Zugang zu Ressourcen und hatte die politische und spirituelle Macht. Auch hier tauchen erstmals BegrĂ€bnishĂŒgel auf. In einigen Regionen herrschten SteinhaufengrĂ€ber (cairns) vor, wie etwa um Victoria. Die Dörfer wurden zahlreicher und vielfach gröĂer, bald stĂ€rker befestigt. Die Kultur war von PlankenhĂ€usern, oftmals monumentalen Schnitzwerken (Wappen- oder TotempfĂ€hlen), komplexen Zeremonien und Clanstrukturen gekennzeichnet. Nirgendwo war die Bevölkerungsdichte so groĂ wie an der WestkĂŒste.
Im Gegensatz dazu gestatteten die Klimabedingungen und starke vulkanische AktivitÀt im Nordwesten keine dauerhafte Ansiedlung.cite-ref-29[29] Mit den Athabasken verbinden sich Fundstellen im Einzugsgebiet des Mackenzie Rivers ab 1000 v. Chr. bis etwa 700 n. Chr.cite-ref-30[30]
Gegen 2500 v. Chr. wanderte ein Teil der PalĂ€o-Eskimos von Alaska nach Grönland; es entwickelte sich die PrĂ€-Dorset-Kultur. Um 500 v. Chr. bis 1000 n. Chr. folgte die âDorset-Kulturâ (nach Cape Dorset auf einer Baffin Island vorgelagerten Insel benannt). Um 2000 v. Chr. bis 1000 n. Chr. bestand die Neo-Eskimo-Kultur. Um 1000 setzte sich eine erneute Wanderung von Alaska nach Grönland in Bewegung. Aus der Vermischung der Kulturen ging wohl die Thule-Kultur hervor, die bis etwa 1800 bestand. Ihre Angehörigen sind die Vorfahren der heutigen Inuit.
Kolonialisierung
EuropĂ€ische Siedler erreichten Nordamerika spĂ€testens um das Jahr 1000, als Wikinger fĂŒr kurze Zeit in LâAnse aux Meadows am nördlichsten Ende von Neufundland lebten. Als âEntdeckerâ Nordamerikas gilt Giovanni Caboto, ein italienischer Seefahrer in englischen Diensten. Er landete am 24. Juni 1497 auf Neufundland und nahm das Land fĂŒr England in Besitz. Baskische WalfĂ€nger und Fischer kamen ab etwa 1525 regelmĂ€Ăig an die KĂŒste Labradors und beuteten ein Jahrhundert lang die Ressourcen in der Region zwischen der Neufundlandbank und Tadoussac aus.cite-ref-31[31] Eine Expedition unter der Leitung von Jacques Cartier erkundete 1534/35 das Gebiet um den Sankt-Lorenz-Golf und den Sankt-Lorenz-Strom und erklĂ€rte es zu französischem Besitz. Die WestkĂŒste Kanadas wurde 1592 durch den griechischen Seefahrer Juan de Fuca erkundet, der in spanischen Diensten segelte.
Samuel de Champlain grĂŒndete 1605 mit Port Royal (heute Annapolis Royal) und 1608 mit QuĂ©bec die ersten dauerhaften Ansiedlungen in Neufrankreich. Die französischen Kolonisten teilten sich in zwei Hauptgruppen: Die Canadiens besiedelten das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms, die Akadier (Acadiens) die heutigen Seeprovinzen. Französische PelzhĂ€ndler und katholische Missionare erforschten die GroĂen Seen, die Hudson Bay und den Mississippi bis nach Louisiana. EnglĂ€nder grĂŒndeten ab 1610 Siedlungen auf Neufundland und besiedelten die weiter sĂŒdlich gelegenen Dreizehn Kolonien. Cupids Plantation ist damit die zweitĂ€lteste angloamerikanische Siedlung in Nordamerika und war erfolgreicher als Jamestown in Virginia.
Zwischen 1689 und 1763 kam es in Nordamerika zu vier bewaffneten Konflikten zwischen EnglĂ€ndern (bzw. Briten) und Franzosen, die jeweils Teil von Erbfolgekriegen in Europa waren. Der King Williamâs War (1689â1697) brachte keine territorialen VerĂ€nderungen, doch nach Ende des Queen Anneâs War (1702â1713) gelangte GroĂbritannien durch den Frieden von Utrecht in den Besitz von Akadien, Neufundland und der Hudson-Bay-Region. Die Briten eroberten 1745 im King Georgeâs War die französische Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel, gaben diese aber 1748 gemÀà dem Frieden von Aachen wieder zurĂŒck. Der SiebenjĂ€hrige Krieg (in Nordamerika von 1754 bis 1760 bzw. 1763) brachte schlieĂlich die Entscheidung: Mit dem Pariser Frieden musste Frankreich 1763 fast alle seine Besitzungen in Nordamerika abtreten.
Britische Herrschaft
Mit der Königlichen Proklamation von 1763 entstand aus dem ehemaligen Neufrankreich die britische Provinz QuĂ©bec, im selben Jahr gelangte die Kap-Breton-Insel zur Kolonie Nova Scotia. Auch wurden Rechte der französischen Kanadier eingeschrĂ€nkt. 1769 wurde eine weitere Kolonie namens St. Johnâs Island (seit 1798 Prince Edward Island) gegrĂŒndet. Um Konflikte in QuĂ©bec abzuwenden, verabschiedete das britische Parlament 1774 den Quebec Act. Das Gebiet QuĂ©becs wurde zu den GroĂen Seen und zum Ohiotal ausgedehnt. FĂŒr die französischsprachige Bevölkerungsmehrheit galt das französische Zivilrecht und Französisch war als Sprache in der Ăffentlichkeit anerkannt; durch die Zusicherung der freien ReligionsausĂŒbung konnte die Römisch-katholische Kirche in der Kolonie verbleiben.
Das Gesetz verĂ€rgerte jedoch die Bewohner der Dreizehn Kolonien, die darin eine unzulĂ€ssige BeschrĂ€nkung ihrer nach Westen gerichteten Expansion sahen. Der Quebec Act war eines jener âunertrĂ€glichen Gesetzeâ (Intolerable Acts), die schlieĂlich zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten und zum Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg fĂŒhrten. Der Frieden von Paris erkannte die amerikanische UnabhĂ€ngigkeit an und die Gebiete sĂŒdlich der GroĂen Seen fielen an die Vereinigten Staaten. Etwa 50.000 Loyalisten flohen in das heutige Kanada, dazu kamen mit den Briten verbĂŒndete IndianerstĂ€mme, wie die Mohawk.cite-ref-32[32] New Brunswick wurde 1784 von Nova Scotia abgetrennt, um die Ansiedlung der Loyalisten an der AtlantikkĂŒste besser organisieren zu können. Um den nach QuĂ©bec geflohenen Loyalisten entgegenzukommen, verabschiedete das britische Parlament das Verfassungsgesetz von 1791, das die Provinz QuĂ©bec in das französischsprachige Niederkanada und das englischsprachige Oberkanada teilte und beiden Kolonien ein gewĂ€hltes Parlament gewĂ€hrte.
Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und GroĂbritannien entluden sich im Britisch-Amerikanischen Krieg (Juni 1812 bis Februar 1815). Der Friede von Gent stellte weitgehend den status quo ante bellum wieder her. In Kanada gilt der Krieg bis heute als erfolgreiche Abwehr amerikanischer Invasionsversuche. Die britisch- und französischstĂ€mmige Bevölkerung entwickelte durch den Kampf gegen einen gemeinsamen Feind ein kanadisches NationalgefĂŒhl; die LoyalitĂ€t der britischen Krone gegenĂŒber wurde gestĂ€rkt.
Der Wunsch nach Selbstverwaltung und der Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft einer kleinen Elite fĂŒhrten zu den Rebellionen von 1837, die rasch niedergeschlagen wurden. Lord Durham empfahl daraufhin in seinem Untersuchungsbericht die Einsetzung einer selbstverantwortlichen Regierung und die allmĂ€hliche Assimilierung der französischen Kanadier in die britische Kultur.cite-ref-33[33] Der Act of Union 1840 verschmolz Nieder- und Oberkanada zur Provinz Kanada und erhob das Englische zur alleinigen Amtssprache. Bis 1849 erhielten auch die weiteren Kolonien in Britisch-Nordamerika eine eigene Regierung.
Zwei Handelsgesellschaften, die Hudsonâs Bay Company (HBC) und die North West Company (NWC), kontrollierten den Handel in den weiten, nur von wenigen Ureinwohnern besiedelten Gebieten der PrĂ€rien und der Subarktis. Die HBC hatte 1670 Ruperts Land als Pachtgebiet erhalten und besaĂ dort das Handelsmonopol mit Pelzen. Da aber auch die NWC dort FuĂ zu fassen versuchte, kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach dem Pemmikan-Krieg in der Red-River-Kolonie (heute Manitoba) wurde die NWC 1821 zwangsliquidiert, und die HBC dehnte ihr Monopol auf fast den gesamten Nordwesten des Kontinents aus. 1846 schlossen die Vereinigten Staaten und GroĂbritannien den Oregon-Kompromiss, der westlich der GroĂen Seen den 49. Breitengrad als gemeinsame Grenze festlegte. Daraufhin folgte die GrĂŒndung der an der PazifikkĂŒste gelegenen Kolonien Vancouver Island (1849) und British Columbia (1858).
Kanadische Konföderation
WĂ€hrend des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten erkannten fĂŒhrende Politiker die Notwendigkeit, möglichen amerikanischen Expansionsbestrebungen einen starken Bundesstaat entgegenzustellen, und berieten in drei Verfassungskonferenzen ĂŒber die Schaffung einer Kanadischen Konföderation. Daraus resultierte das Verfassungsgesetz von 1867, das am 1. Juli 1867 in Kraft trat und das Dominion Kanada schuf, das ĂŒber eine gewisse EigenstĂ€ndigkeit gegenĂŒber der Kolonialmacht GroĂbritannien verfĂŒgte. Die Provinz Kanada wurde in Ontario und QuĂ©bec aufgeteilt, hinzu kamen New Brunswick und Nova Scotia.
Der neue Bundesstaat kaufte 1869 der Hudsonâs Bay Company das Nordwestliche Territorium und Ruperts Land ab und vereinigte diese zu den Nordwest-Territorien. Nach der Niederschlagung der Red-River-Rebellion der MĂ©tis schuf der Manitoba Act 1870 im Unruhegebiet die Provinz Manitoba. British Columbia und Vancouver Island (die sich 1866 vereinigt hatten) traten 1871 der Konföderation bei, zwei Jahre spĂ€ter folgte Prince Edward Island.
Um den Westen fĂŒr die Besiedlung durch Einwanderer zu erschlieĂen, beteiligte sich die Regierung an der Finanzierung von transkontinentalen Eisenbahnen und grĂŒndete die North-West Mounted Police (heute Royal Canadian Mounted Police), um die staatliche Kontrolle ĂŒber die PrĂ€rien und subarktischen Regionen durchzusetzen. Die Nordwest-Rebellion und die darauf folgende Hinrichtung des MĂ©tis-FĂŒhrers Louis Riel 1885 fĂŒhrten zu einem tiefen ZerwĂŒrfnis zwischen den beiden Sprachgruppen. Als direkte Folge des Klondike-Goldrauschs wurde 1898 das Yukon-Territorium geschaffen. Aufgrund der zunehmenden Besiedlung der PrĂ€rie entstanden 1905 aus dem sĂŒdlichen Teil der Nordwest-Territorien die Provinzen Alberta und Saskatchewan. Mit den Indianern schloss Kanada zwischen 1871 und 1921 elf VertrĂ€ge ab, die ihnen gegen geringe Kompensationen Reservate zuwiesen, ihnen aber ihre gewohnte Lebensweise garantierten. Bis in die 1960er-Jahre versuchte man sie zwangsweise zu assimilieren und verbot den SchĂŒlern den Gebrauch ihrer Muttersprachen. Die Ureinwohner durften bis 1960 nicht an Parlamentswahlen auf nationaler Ebene teilnehmen.
An der Seite GroĂbritanniens nahm Kanada ab 1914 am Ersten Weltkrieg teil und entsandte Freiwillige an die Westfront. Als die Regierung versuchte, gegen den Widerstand des französischsprachigen Bevölkerungsteils den obligatorischen Wehrdienst einzufĂŒhren, kam es zur Wehrpflichtkrise von 1917.
EigenstÀndigkeit und Separatismus
Bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag trat Kanada als eigenstĂ€ndiger Staat auf. Es trat 1919 unabhĂ€ngig von GroĂbritannien dem Völkerbund bei. Das Statut von Westminster von 1931 garantierte die gesetzgeberische UnabhĂ€ngigkeit; einige verfassungsrechtliche Bindungen blieben bestehen. Das Land war besonders stark von der Weltwirtschaftskrise betroffen; als Reaktion darauf entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten ein gut ausgebauter Sozialstaat.
Kanada erklĂ€rte 1939 dem Deutschen Reich den Krieg. Trotz einer weiteren Wehrpflichtkrise spielten kanadische Truppen wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle, insbesondere in der Atlantikschlacht, der Operation Jubilee, der Invasion Italiens, der Operation Overlord (Landung am Juno Beach) und der Schlacht an der ScheldemĂŒndung. Die Regierung von Mackenzie King wagte es nicht, Soldaten gegen deren Willen in einen Kriegseinsatz im Ausland zu schicken. So blieben MĂ€nner im Umfang von fĂŒnf Divisionen in Kanada, wo sie deutsche Kriegsgefangene bewachten. Unter den kanadischen Freiwilligen, die in Europa gegen Deutschland kĂ€mpften, rief das groĂen Unmut hervor.cite-ref-34[34] 1945 wurden kanadische Soldaten maĂgeblich wĂ€hrend der KĂ€mpfe um die Niederlande eingesetzt.
Die britische Kolonie Neufundland, die sich 1867 nicht dem Bundesstaat angeschlossen hatte und von 1907 bis 1934 ein unabhĂ€ngiges Dominion gewesen war, trat 1949 nach einer langen politischen und wirtschaftlichen Krise als letzte Provinz der kanadischen Konföderation bei. 1965 wurde die neue Ahornblattflagge eingefĂŒhrt und seit dem Inkrafttreten des Amtssprachengesetzes 1969 ist Kanada offiziell ein zweisprachiger Staat. Premierminister Pierre Trudeau strebte die vollstĂ€ndige formale UnabhĂ€ngigkeit von GroĂbritannien an; diese wurde mit dem Verfassungsgesetz von 1982 und der Charta der Rechte und Freiheiten erreicht.
WĂ€hrend der 1960er-Jahre fand in QuĂ©bec eine tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche UmwĂ€lzung statt, die als âStille Revolutionâ bekannt ist. QuĂ©becer Nationalisten begannen, mehr Autonomie oder gar die UnabhĂ€ngigkeit zu fordern. Nachdem die Front de libĂ©ration du QuĂ©bec EntfĂŒhrungen und AnschlĂ€ge verĂŒbt hatte, wurde wĂ€hrend der Oktoberkrise 1970 kurzzeitig ein Ausnahmezustand ausgerufen. Moderate Nationalisten stellten ab 1976 die Provinzregierung, 1980 wurde ein erstes UnabhĂ€ngigkeitsreferendum mit 59,6 % der Stimmen abgelehnt. Ein weiteres Kennzeichen dieser UmwĂ€lzung ist die Ablösung der frankophonen Bevölkerung von der katholischen Kirche.
Der Constitution Act / Loi constitutionelle vom 17. April 1982, mit dem auch VerfassungsĂ€nderungen nicht mehr vom britischen Parlament abgesegnet werden mĂŒssen, gilt als Datum der formalen UnabhĂ€ngigkeit (vollen SouverĂ€nitĂ€t) Kanadas. 1989 scheiterten BemĂŒhungen der Bundesregierung, QuĂ©bec mit dem Meech Lake Accord als âsich unterscheidende Gesellschaftâ anzuerkennen. Die vom separatistischen Parti QuĂ©bĂ©cois gefĂŒhrte Provinzregierung setzte 1995 das zweite UnabhĂ€ngigkeitsreferendum an, das mit 49,4 % Zustimmung knapp scheiterte. 1999 wurde Nunavut geschaffen, das erste kanadische Territorium mit mehrheitlich indigener Bevölkerung.
Bevölkerung
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Hauptartikel
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Demografie Kanadas
Die letzte VolkszĂ€hlung von 2021 ergab eine Einwohnerzahl von 37,0 Millionen.cite-ref-2-35-0[35]cite-ref-census21-3-2[3] Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von etwa 4,2 Einwohner/kmÂČ, eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich zu einem groĂen Teil auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier FĂŒnftel der Kanadier leben in StĂ€dten. Die gröĂten StĂ€dte sind Toronto, Montreal, Calgary, Ottawa, Edmonton und Vancouver.
Der GroĂteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (14,2 Mio.) und QuĂ©bec (8,5 Mio.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heiĂt rund um Toronto, Montreal, QuĂ©bec, Ottawa, London und Hamilton (QuĂ©bec-Windsor-Korridor). 5,0 Mio. Menschen leben in British Columbia, 4,3 Mio. in Alberta, in Manitoba 1,3 Mio. und in Saskatchewan weitere 1,1 Mio. Menschen.cite-ref-census21-3-3[3] Die vier Atlantik-Provinzen haben alle weniger als 1 Million Einwohner. Die bevölkerungsĂ€rmsten Territorien Kanadas sind Nunavut, das Yukon-Territorium und das Nordwest-Territorien, die zwischen rund 37.000 und 41.000 Einwohner haben.cite-ref-2-35-1[35]
Demographische Struktur und Entwicklung
Kanada ist ein Einwanderungsland. 2020 waren rund 21 % der Bevölkerung im Ausland geboren.cite-ref-36[36] GroĂe Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Irland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien und aus den USA. Heutzutage wĂ€chst die Bedeutung der Einwanderer aus Ostasien, vor allem aus der Volksrepublik China, Hongkong, aus SĂŒdasien (Indien und Pakistan), von den Philippinen und aus der Karibik (vor allem Jamaika und Haiti). Von den etwa sechs Millionen deutschen Auswanderern der Jahre 1820 bis 1914 gingen nur 1,3 % nach Kanada, von den 605.000 der Jahre 1919 bis 1933 gingen 5 %, von den 1,2 Millionen der Jahre 1950 bis 1969 bereits 25 % dorthin. 2006 gaben rund 3,2 Millionen Kanadier an, deutscher Herkunft zu sein. Damit sind die Deutschkanadier nach den Einwohnern mit Wurzeln im Raum GroĂbritannien/Irland und denen mit Wurzeln im heutigen Frankreich die drittgröĂte Bevölkerungsgruppe des Landes.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]
Das Bevölkerungswachstum Kanadas von 2016 bis 2021 war mit 5,2 % das höchste unter den G7-Staaten.cite-ref-40[40] Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,3.cite-ref-gebrat-41-0[41] Die Lebenserwartung der Einwohner Kanadas ab der Geburt lag 2022 bei 81,3 Jahrencite-ref-leberw-42-0[42] (Frauen: 83,6cite-ref-43[43], MĂ€nner: 79,1cite-ref-44[44]). Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 40,2 Jahren.cite-ref-45[45] Im Jahr 2023 waren 15,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,cite-ref-46[46] wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 19,5 Prozent der Bevölkerung betrug.cite-ref-47[47] 2021 waren 9.545 Kanadier ĂŒber 100 Jahre alt.cite-ref-48[48]
Indigene Ethnien
â
Hauptartikel
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First Nations
,
Métis
und
Inuit
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Hauptartikel
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Nordamerikanische Kulturareale
In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener oder autochthoner Völker: Die First Nations (auch âIndianerâ genannt), die Inuit und die MĂ©tis, Nachfahren von EuropĂ€ern, die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren, aber auch NunatuKavummiut, Nachkommen von Inuit und EuropĂ€ern im Osten Labradors, sowie Nunatsiavut im Norden der Provinz. Zahlreiche weitere Kanadier haben indianische Vorfahren. Deren Ehen wurden sehr hĂ€ufig nach der âSitte des Landesâ (custom of the country) geschlossen, also ohne kirchliche oder staatliche Mitwirkung â wie es bei Ehen zwischen MĂ€nnern der Hudsonâs Bay Company und Indianerinnen ĂŒblich war. Ehen dieser Art waren erst ab 1867 vollgĂŒltig.
Bei der VolkszÀhlung im Jahr 2006 gaben 1.172.790 Kanadier an, Angehörige einer indigenen Gruppe zu sein. Das entsprach 3,8 % der Bevölkerung, wobei dieser Anteil regional sehr stark schwankt. Die Indigenen verteilten sich auf folgende Gruppen:
⹠698.025 waren Angehörige der First Nations,
⹠389.785 Métis,
âą 50.485 Inuit,
âą 6.665 Indigene gemischter Herkunft (Stand: 2001),
âą 23.415 Indigene ohne eindeutige ethnische Zuordnung (Stand: 2001).
Im Schnitt sind die Ureinwohner erheblich jĂŒnger als die ĂŒbrige Bevölkerung. So sind 50 % der indianischen Bevölkerung unter 23,5 Jahre alt, im ĂŒbrigen Kanada liegt dieser als Median bezeichnete Wert bei 39,5 Jahren.
Die Interessen der indigenen Bevölkerung werden staatlicherseits vom âDepartment of Indian Affairs and Northern Developmentâ/âAffaires indiennes et du Nordâ vertreten, dem das Indianergesetz von 1876 zugrunde liegt. Sie selbst sehen sich allerdings eher in eigenen Organisationen, wie der Versammlung der First Nations oder anderen Organisationen vertreten. Sie berufen sich auf die VertrĂ€ge, die mit Kanada und GroĂbritannien geschlossen worden sind, wie die Numbered Treaties, auf allgemeine Menschenrechte und auf Entscheidungen der oberen Gerichtshöfe in GroĂbritannien und Kanada. Die Indianer besitzen erst seit 1960 das volle Wahlrecht. Ein Teil des besonderen Lebensraumes der Inuit wurde 1999 in ein eigenes Territorium namens Nunavut zusammengefasst.
Seit 1996 wird der 21. Juni als âNational Aboriginal Dayâ bzw. âJournĂ©e nationale des Autochtonesâ gefeiert. Zugleich kommt es nach wie vor zu Auseinandersetzungen um Landrechte und den Abbau von BodenschĂ€tzen, wie die Grassy-Narrows-Blockade, der Streit um die UrwĂ€lder am Clayoquot Sound an der WestkĂŒste oder der Widerstand der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug in Ontario zeigen.
Sprachen
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Hauptartikel
:
Kanadisches Englisch
,
Französisch in Kanada
und
Indigene amerikanische Sprachen
Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Französisch, wobei 20,1 % der Bevölkerung weder die eine noch die andere als Muttersprache angeben. In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten, im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben, die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird. In den Bundesgerichten, im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Französisch gleichberechtigt. Die BĂŒrger haben das Recht, Dienstleistungen des Bundes in englischer oder französischer Sprache wahrzunehmen. In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert â ein Anrecht, das lange umstritten war.cite-ref-50[50] Die Ursachen reichen bis in die französische und britische Kolonialisierungsphase Nordamerikas zurĂŒck und standen zugleich mit kulturellen und religiösen GegensĂ€tzen in Zusammenhang.
Englisch und Französisch sind die Muttersprachen von 56,9 % bzw. 21,3 % der Bevölkerung,cite-ref-muttersprache-51-0[51] bei 68,3 % bzw. 22,3 % sind es die zu Hause am meisten gesprochenen Sprachen (2006).cite-ref-52[52] 98,5 % aller Einwohner sprechen Englisch oder Französisch (67,5 % sprechen nur Englisch, 13,3 % nur Französisch und 17,7 % beides).cite-ref-53[53]
Zwar leben 85 % aller französischsprachigen Kanadier in QuĂ©bec, doch gibt es bedeutende frankophone Bevölkerungsgruppen in Ontario und in Alberta, im SĂŒden von Manitoba, im Norden und SĂŒdosten von New Brunswick (Akadier; insgesamt 35 % der Bevölkerung dieser Provinz) sowie im sĂŒdwestlichen Nova Scotia und auf der Kap-Breton-Insel. Ontario hat die zahlenmĂ€Ăig gröĂte französischsprachige Bevölkerung auĂerhalb QuĂ©becs. Die Charta der französischen Sprache erklĂ€rt Französisch zur alleinigen Amtssprache in QuĂ©bec, und New Brunswick ist die einzige Provinz, deren Verfassung die Zweisprachigkeit garantiert.cite-ref-54[54] Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert; jedoch wird Französisch zusĂ€tzlich zu Englisch in Schulen, Gerichten und fĂŒr Dienstleistungen der Regierung verwendet. Manitoba, Ontario und QuĂ©bec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Französisch in den Provinzparlamenten, und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen. In Ontario kennen einzelne Gemeinden Französisch als zweite Amtssprache. Die Wahl der Hauptstadt des seinerzeitigen Britisch-Nordamerika durch Königin Victoria (1857) fiel möglicherweise deshalb auf Ottawa, weil es etwa an der Grenze zwischen franko- und anglophonem Gebiet lag.
Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsĂ€chlich Nachkommen der Ureinwohner. Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest-Territorien. Im hauptsĂ€chlich von Inuit bevölkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Mehr als 6,1 Millionen Einwohner bezeichnen weder Englisch noch Französisch als ihre Erstsprache. Am weitesten verbreitet sind Chinesisch (1,012 Millionen Sprecher), Italienisch (etwa 455.000), Deutsch (etwa 450.000), Panjabi (etwa 367.000) und Spanisch (etwa 345.000).cite-ref-muttersprache-51-1[51] Das Kanadisch-GĂ€lische, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch die dritthĂ€ufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend Ă€lteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben,cite-ref-55[55] jedoch bestehen Kontakte zu schottischen Hochschulen, die Kanadiern Sprachkurse anbieten. Mehrere Schulen unterrichten die Sprache, ebenso drei Hochschulen sowie die 2006 gegrĂŒndete Atlantic Gaelic Academy.cite-ref-56[56] Erst ab 1973 wurden in Ontario deutsche Schulen vom Staat wieder unterstĂŒtzt. Zwischen 1977 und 1990 erhielten die Schulen Mittel aus dem Multikulturalismusprogramm der Regierung.
Religion
Mit der Kolonialisierung kamen zunĂ€chst vor allem französische Katholiken und anglikanische EnglĂ€nder nach Kanada. DarĂŒber hinaus förderte GroĂbritannien die Einwanderung protestantischer Gruppen vom Mittelrhein und aus WĂŒrttemberg, in geringerem MaĂe auch aus der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden, sodass der SĂŒden von Nova Scotia bis heute protestantisch ist.
Doch gab die Kolonialmacht 1774 mit dem Quebec Act jeden Versuch auf, die Katholiken zur Konversion zu bewegen. Nach der UnabhĂ€ngigkeit der USA kamen zahlreiche protestantische Loyalisten in das heutige Ontario und bildeten dort die Mehrheit. In spĂ€teren Einwanderungswellen kamen wiederum katholische Iren und Italiener, aber auch ukrainische Duchoborzen hinzu. Die Einwanderung aus Schottland sorgte wiederum fĂŒr eine Beseitigung des Vorrangs der Anglikanischen Kirche im Osten durch zahlreiche Presbyterianer. In Toronto setzten sich die Methodisten durch.
In Opposition zu den Katholiken, die eher dem Ultramontanismus zugeneigt waren (les bleus), aber auch zu den dominierenden Anglikanern, die vom Oranier-Orden unterstĂŒtzt wurden, bildeten sich antiklerikale Gruppen (vor allem les rouges). Mit dem Lordâs Day Act von 1906 wurde ein weitgehendes Arbeitsverbot am Sonntag durchgesetzt, das bis in die 1960er-Jahre GĂŒltigkeit beanspruchte und das der Oberste Gerichtshof erst 1985 endgĂŒltig abschaffte.cite-ref-57[57] Ăhnlich wie in anderen westlichen Industrienationen ist seit den 1960er-Jahren eine Bedeutungsminderung der Religion im Alltag und eine Entkirchlichung der Bevölkerung festzustellen. Im zuvor strikt katholischen QuĂ©bec wird dieser Prozess als RĂ©volution tranquille (âstille Revolutionâ) bezeichnet. Dennoch gibt es bedeutende Gruppen strengglĂ€ubiger Christen, insbesondere im SĂŒden Manitobas und Ontarios, in Alberta und im Binnenland von British Columbia. Dazu zĂ€hlen die Mennoniten im SĂŒden Manitobas, die ukrainischen Orthodoxen und Katholiken in Manitoba und Saskatchewan, die Mormonen bilden einen Schwerpunkt in Alberta. Hinzu kommen die Zeugen Jehovas und zahlreiche andere Gruppen.cite-ref-58[58]
Die katholischen Missionare waren unter den Ureinwohnern erfolgreicher als die protestantischen, und so ĂŒberwiegt dort der katholische Anteil. Dazu kommen indigene Glaubensorganisationen, wie die Shaker Church.
Mit den jĂŒngsten Einwanderungswellen verstĂ€rkten sich nichtchristliche Religionsgemeinschaften wie Hindus, Muslime, Juden, Sikhs und Buddhisten. Sie konzentrieren sich in GroĂstĂ€dten, insbesondere im GroĂraum Toronto. Die Ă€lteste Synagoge, Congregation Emanu-El, entstand 1863 in Victoria, die erste Moschee 1938 mit der Al Rashid Mosque in Edmonton.
Etwa 67,3 % der kanadischen Bevölkerung gehörten 2011 einer christlichen Konfession an (39,0 % katholisch, etwa 24,1 % protestantisch). Die beiden gröĂten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind mit 6,1 % die United Church of Canada und mit 6,9 % die Anglikanische Kirche von Kanada, dazu kommen 1,9 % Baptisten, 1,4 % Lutheraner, etwa 1,7 % Orthodoxe sowie etwa 3,0 % andere christliche Glaubensgemeinschaften. Muslime stellen etwa 3,2 % der Bevölkerung, mehr als die HĂ€lfte von ihnen lebt in Ontario. Etwa 1,0 % sind Juden, von denen wiederum knapp 60 % in Ontario leben, und etwa 1,1 % Buddhisten, 1,5 % Hindus sowie 1,4 % Sikhs. Etwa 23,9 % gaben an, keiner Glaubensgemeinschaft anzugehören.cite-ref-59[59]cite-ref-0-60-0[60]
Die VolkszĂ€hlungen von 2011, 2001 und 1991 ergaben:cite-ref-0-60-1[60]cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]cite-ref-64[64] Zu beachten bei der Prozentzahl âVerĂ€nderung 1991â2011â (rechte Spalte) ist, dass die Gesamtbevölkerung des Staates in diesen 20 Jahren erheblich zugenommen hat; der âZuwachsâ etwa bei den Katholiken relativiert sich damit erheblich.
| | 2011 | 2011 | 2001 | 2001 | 1991 | 1991 | VerĂ€nderung 1991â2011 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | VerĂ€nderung 1991â2011 |
| Christen | 22.102.700 | 67 | 22.851.825 | 77 | 22.503.360 | 83 | â1,7 |
| Römisch-katholisch | 12.810.705 | 39,0 | 12.793.125 | 43,2 | 12.203.625 | 45,2 | +5,0 |
| Protestantisch | 7.910.000 | 24,1 | 8.654.845 | 29,2 | 9.427.675 | 34,9 | â16,1 |
| United Church of Canada | 2.007.610 | 6,1 | 2.839.125 | 9,6 | 3.093.120 | 11,5 | â35,1 |
| Anglikanische Kirche von Kanada | 1.631.845 | 5,0 | 2.035.495 | 6,9 | 2.188.110 | 8,1 | â25,1 |
| andere Christen | 960.000 | 3,0 | 780.450 | 2,6 | 353.040 | 1,3 | +171,9 |
| Baptisten | 635.840 | 1,9 | 729.475 | 2,5 | 663.360 | 2,5 | â4,1 |
| Lutheraner | 478.185 | 1,4 | 606.590 | 2,0 | 636.205 | 2,4 | â25,6 |
| andere Protestanten | 2.000.000 | 6,0 | 549.205 | 1,9 | | | |
| Presbyterianer | 472.385 | 1,4 | 409.830 | 1,4 | 636.295 | 2,4 | â25,7 |
| Orthodoxe | 550.690 | 1,7 | 479.620 | 1,6 | 387.395 | 1,4 | +42,1 |
| andere | 2.703.200 | 0 8,1 | 1.887.115 | 0 6,4 | 1.093.690 | 0 4,1 | +147,2 |
| Muslime | 1.053.945 | 3,2 | 579.640 | 2,0 | 253.265 | 0,9 | +316,1 |
| Juden | 329.495 | 1,0 | 329.995 | 1,1 | 318.185 | 1,2 | +3,6 |
| Buddhisten | 366.830 | 1,1 | 300.345 | 1,0 | 163.415 | 0,6 | +124,5 |
| Hindus | 497.960 | 1,5 | 297.200 | 1,0 | 157.015 | 0,6 | +217,1 |
| Sikh | 454.965 | 1,4 | 278.415 | 0,9 | 147.440 | 0,5 | +208,6 |
| ohne Bekenntnis | 7.850.605 | 23,9 | 4.900.090 | 16,5 | 3.333.245 | 12,3 | +135,5 |
Besonders schnell wachsen durch Zuwanderung die nicht-christlichen Gruppen, aber auch zahlreiche christliche Gruppen, die auĂerhalb der groĂen Kirchen stehen. Nach einer Umfrage von 2007 fĂŒhlten sich die Muslime in Kanada deutlich stĂ€rker integriert als in europĂ€ischen Staaten.cite-ref-65[65] Insgesamt setzt die kanadische Politik im Rahmen ihrer Integrationspolitik stĂ€rker auf Erhalt und Nutzung der ethnischen und religiösen Besonderheiten als auf Anpassung. Seit den 1960er-Jahren begann ein Wandel der Schulpolitik, die bis dahin auf Segregation basierte. Mit dem Canadian Multiculturalism Act von 1988 wurde diese formal beendet.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]
Einwanderungspolitik/-system
Kanada hat, gemessen an der Bevölkerung, eine der höchsten Einwanderungsraten unter den FlĂ€chenstaaten der Welt.cite-ref-cia-ca-2-1[2] Die Einwanderung wird ĂŒber definierte Ziele gesteuert, die in einem Programm festgelegt worden sind. Hierbei gibt es etwa Programme fĂŒr FlĂŒchtlinge, zur Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, fĂŒr ExistenzgrĂŒnder und zum Familiennachzug.cite-ref-69[69] Die Einwanderungskriterien sind öffentlich einsehbar und können bereits vor Antragstellung selbst ĂŒberprĂŒft werden. FĂŒr Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, existiert zum Beispiel das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich aus Punkten fĂŒr den aktuellen Bildungsstand und die Berufserfahrung zusammen, aus Punkten fĂŒr die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch sowie fĂŒr das Alter, fĂŒr Verwandte und frĂŒhere Aufenthalte in Kanada. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maĂgeblich. Das Immigrations-Programm wurde am 1. Juli 2011 dahingehend angepasst, dass ohne ein bestehendes Arbeitsangebot nur noch Personen zum Skilled Worker-Programm zugelassen werden, die Erfahrung in einem von 29 festgelegten Berufen nachweisen können.cite-ref-70[70] Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich fĂŒr eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe belĂ€uft sich derzeit (September 2011) fĂŒr eine alleinstehende Person auf 11.115 CAD, fĂŒr eine vierköpfige Familie auf 20.654 CAD.cite-ref-ciccan1-71-0[71] AuĂerdem werden polizeiliche FĂŒhrungszeugnisse aus allen LĂ€ndern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag fĂŒr sechs Monate oder lĂ€nger gelebt hat.
Bei FachkrĂ€ften, die nach Kanada einwandern wollen, wird vor allem auf gute Sprachkenntnisse, eine Jobzusage und ein geringes Alter geachtet.cite-ref-1-72-0[72] Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. ZunĂ€chst wird eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt.cite-ref-1-72-1[72] Nach drei Jahren als âPermanent Residentâ und entsprechendem Aufenthalt im Land kann der EinbĂŒrgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebĂŒrgert sind, haben Residenzpflicht. Dies bedeutet, dass man Nachweise fĂŒr die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen, oder mit jemandem verheiratet sein muss, die oder der die kanadische StaatsbĂŒrgerschaft besitzt. Bei VerstöĂen kann der âPermanent Residentâ-Status entzogen und der Einwanderer in sein Herkunftsland zurĂŒckgeschickt werden.
Neben dem Programm fĂŒr qualifizierte Einwanderungswillige steht eine gesonderte Regelung fĂŒr Gastarbeiter, die keine Perspektive fĂŒr eine EinbĂŒrgerung bekommen.cite-ref-73[73] Die Zahl der nur zeitweilig in Kanada zugelassenen ArbeitskrĂ€fte ĂŒbersteigt seit etwa 2006 die der Einwanderer. Die Gastarbeiter erhalten Arbeitsgenehmigungen, die in der Regel fĂŒr einige Monate gelten und nur selten die Dauer eines Jahres ĂŒbersteigen. Sie gelten nur fĂŒr den Arbeitgeber, der die ArbeitskrĂ€fte ins Land holt, eine KĂŒndigung ist mit dem Verlust der Aufenthaltsgenehmigung verbunden. WĂ€hrend das Programm fĂŒr Gastarbeiter ursprĂŒnglich fĂŒr PflegekrĂ€fte in Haushalten, KindermĂ€dchen und Arbeiter in der Landwirtschaft eingefĂŒhrt wurde, wird es inzwischen fĂŒr alle TĂ€tigkeiten des Niedriglohnbereichs eingesetzt.
AuĂer den Programmen zur Einwanderung in den Arbeitsmarkt gibt es in Kanada auch humanitĂ€re Aufnahmeprogramme zum Resettlement von Menschen, die vom FlĂŒchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) als FlĂŒchtlinge anerkannt wurden.cite-ref-1-72-2[72]cite-ref-74[74] Noch vor der Einreise werden diese sogenannten KontingentflĂŒchtlinge einem Gesundheits- und Sicherheitscheck unterzogen, inklusive Iris-Scan zur eindeutigen Identifizierung. Unbegleitete MinderjĂ€hrige bekommen keine PlĂ€tze, dafĂŒr bevorzugt Familien und Frauen.cite-ref-1-72-3[72] 2018 war Kanada der Staat mit dem weltweit gröĂten Aufnahmeprogramm von Resettlement-FlĂŒchtlingen.cite-ref-75[75] Jedes Jahr legt die kanadische Regierung genaue Kontingente fĂŒr die Resettlement-Programme fest. Rund ein Drittel der gut 30.000 PlĂ€tze im Jahr 2019 wurden vom Staat finanziert, die restlichen KontingentflĂŒchtlinge wurden ganz oder teilweise von Organisationen und Privatleuten unterstĂŒtzt.cite-ref-1-72-4[72]
Mehr als 90 Prozent der Arbeitsmigrantinnen- und migranten sprechen bereits vor der Einreise Englisch, Französisch oder beides. Unter den KontingentflĂŒchtlingen und ihren Familien sind es 54 Prozent, auf die eines der drei Dinge zutrifft. Der weitaus gröĂte der Teil der 341.180 Menschen, die im Jahr 2019 eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis fĂŒr Kanada erhielten, waren FachkrĂ€fte.cite-ref-1-72-5[72]
Menschen, die â ĂŒber Grenze der USA â Kanada betreten und Asyl beantragen und keine Qualifikationen mitbringen, werden meist in die USA abgeschoben. Wird ein Asylbewerber jedoch anerkannt, bekommt er grundsĂ€tzlich eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis â bekommt aber keine Wohnung vom Staat zugewiesen. Notfalls erfolgt die Unterbringung in einem GefĂ€ngnis. GeflĂŒchtete machen 14 Prozent aller Zuwanderer in Kanada aus.cite-ref-1-72-6[72]
| Rang | Staat | Anzahl an Migranten |
|---|---|---|
| 0 1 | Indien Indien | 898.050 |
| 0 2 | Philippinen Philippinen | 719.580 |
| 0 3 | China Volksrepublik Volksrepublik China | 715.835 |
| 0 4 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich | 464.135 |
| 0 5 | Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 256.090 |
| 0 6 | Pakistan Pakistan | 234.105 |
| 0 7 | Hongkong Hongkong | 213.855 |
| 0 8 | Italien Italien | 204.065 |
| 0 9 | Iran Iran | 182.940 |
| 10 | Vietnam Vietnam | 182.095 |
Politik
Verfassung und Recht
Siehe auch
:
Regierung Kanadas
,
Wahlen in Kanada
und
Kanadische Monarchie
Kanada ist formal eine konstitutionelle Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations mit König Charles III. als Staatsoberhaupt. Er trĂ€gt den Titel König von Kanada und wird durch den Generalgouverneur vertreten.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78] Der Staat ist auch eine reprĂ€sentative parlamentarische Demokratie, die in Form eines Bundesstaates organisiert ist. Die Verfassung Kanadas besteht aus schriftlichen Rechtsquellen und ungeschriebenem Gewohnheitsrecht.cite-ref-verfassung-79-0[79] Das Verfassungsgesetz von 1867 enthĂ€lt das Staatsorganisationsrecht, begrĂŒndete ein auf dem Westminster-System des Vereinigten Königreichs basierendes parlamentarisches Regierungssystem und teilte die Macht zwischen Bund und Provinzen auf. Das Statut von Westminster von 1931 gewĂ€hrte die vollstĂ€ndige gesetzgeberische Autonomie, und mit dem Verfassungsgesetz von 1982 wurden die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen zum britischen Mutterstaat gelöst. Letzteres enthĂ€lt einen Grundrechtskatalog (die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten) sowie Bestimmungen betreffend das Vorgehen bei VerfassungsĂ€nderungen.cite-ref-verfassung-79-1[79] Einhergehend mit dem Status als Monarchie gibt es eine Reihe von Titeln und Orden, die in Kanada verliehen werden.
Exekutive
Theoretisch liegt die exekutive Staatsgewalt beim Monarchen, wird aber in der Praxis durch das Kabinett (formal ein Komitee des kanadischen Kronrates) und durch den Vertreter des Monarchen, den Generalgouverneur, ausgeĂŒbt. Der Monarch und dessen Vertreter sind unpolitisch und ĂŒben ĂŒberwiegend zeremonielle Funktionen aus, um die StabilitĂ€t der Regierung zu garantieren. GemÀà Gewohnheitsrecht ĂŒbergeben sie alle politischen GeschĂ€fte ihren Ministern im Kabinett, die ihrerseits gegenĂŒber dem gewĂ€hlten Unterhaus verantwortlich sind. Die exekutive Staatsgewalt liegt somit de facto beim Kabinett, jedoch können Monarch und Generalgouverneur im Falle einer auĂergewöhnlichen Verfassungskrise ihre Hoheitsrechte wahrnehmen.
Der Premierminister ist ĂŒblicherweise der Vorsitzende jener Partei, die im Unterhaus die meisten Sitze hĂ€lt und das Vertrauen der Mehrheit der Abgeordneten besitzt. Er wird vom Generalgouverneur eingesetzt und fĂŒhrt als Regierungschef das Kabinett an. Da er ĂŒber weitgehende Befugnisse verfĂŒgt, gilt er als mĂ€chtigste Person des Staates. Er ernennt die ĂŒbrigen Kabinettsmitglieder, Senatoren, Richter des Obersten Gerichtshofes, Vorsitzende von Staatsbetrieben und Behörden und kann den Generalgouverneur sowie die Vizegouverneure der Provinzen vorschlagen. Die Bundesregierung ist unter anderem zustĂ€ndig fĂŒr AuĂenpolitik, Verteidigung, Handel, Geldwesen, Verkehr und Post sowie die Aufsicht ĂŒber die Administration der drei bundesabhĂ€ngigen Territorien. Aktuell ist der Vorsitzende der Liberalen Partei, Mark Carney, seit dem 14. MĂ€rz 2025 Premierminister und leitet das 30. Kanadische Kabinett.
Vom 2. Oktober 2017 bis zum 21. Januar 2021 war Julie Payette die 29. Generalgouverneurin von Kanada. Sie trat nach Abschluss einer unabhĂ€ngigen Untersuchung ĂŒber das von ihr geschaffene Arbeitsumfeld als Generalgouverneurin zurĂŒck.cite-ref-80[80] WĂ€hrend der Zeit bis zur Ernennung einer Nachfolgerin wurden die Aufgaben durch Richard Wagner, Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes von Kanada, als âAdministrator of the Government of Canadaâ wahrgenommen.cite-ref-81[81] Am 6. Juli 2021 wurde die Ernennung von Mary Simon zur neuen Generalgouverneurin von Kanada bekannt gegeben.cite-ref-simon-1-1[1] Simon ist die erste Inuk, die zum Vertreter des Königs ernannt wurde.cite-ref-82[82]
Legislative
Das kanadische Bundesparlament besteht aus dem Monarchen und zwei Kammern, dem demokratisch gewÀhlten Unterhaus (englisch House of Commons, frz. Chambre des communes) und dem ernannten Senat von Kanada (Senate of Canada, Sénat de Canada).
Jedes Mitglied des Unterhauses wird im relativen Mehrheitswahlrecht in einem von 338 Wahlkreisen gewĂ€hlt. Allgemeine Wahlen werden vom Generalgouverneur angesetzt, wenn der Premierminister dies so vorschlĂ€gt oder wenn ein Misstrauensvotum gegen die Regierung die benötigte Mehrheit erreicht. GemÀà einem 2006 verabschiedeten Gesetz betrĂ€gt die Dauer der Legislaturperiode vier Jahre. Zuvor konnte der Premierminister den Wahltermin nach Belieben festsetzen, doch musste eine Neuwahl spĂ€testens nach fĂŒnf Jahren erfolgen. Die Regierung stellt zurzeit die Liberale Partei, wĂ€hrend die Konservative Partei die Rolle der âoffiziellen Oppositionâ innehat. Weitere im Parlament vertretene Parteien werden als âDrittparteienâ bezeichnet. Es sind dies die Neue Demokratische Partei, der Bloc QuĂ©bĂ©cois und die GrĂŒne Partei.
Im Senat von Kanada, auch âOberhausâ (englisch upper house, französisch chambre haute) genannt, sitzen 105 Abgeordnete, die der Generalgouverneur auf Empfehlung des Premierministers ernennt. Die Sitze sind nach Regionen aufgeteilt, wobei diese seit 1867 nicht mehr angepasst wurden und deshalb groĂe DisproportionalitĂ€ten in der ReprĂ€sentation im VerhĂ€ltnis zur Einwohnerzahl bestehen. Die Senatoren haben keine feste Amtszeit, sondern können ihr Amt bis zum 75. Lebensjahr wahrnehmen. Der Einfluss des Senats ist bedeutend geringer als jener des Unterhauses.
Entwicklung des Frauenwahlrechts in Kanada
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Hauptartikel
:
Frauenwahlrecht in Kanada
Die Bundesstaaten fĂŒhrten das Frauenwahlrecht ab 1916 nacheinander und zum Teil frĂŒher ein, als dies auf Bundesebene der Fall war.cite-ref-83[83]cite-ref-daley349350-84-0[84]cite-ref-85[85] Schlusslicht war QuĂ©bec: Das Gesetz, das auch Indianern das Wahlrecht verschaffte, wurde erst am 9. April 1949 ins Parlament eingebracht und trat am 25. April 1949 in Kraft.cite-ref-hannam55-86-0[86]cite-ref-ipu-213359-87-0[87]
1917 wurde das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene vor dem Hintergrund des Krieges durch den Wartime Elections Act bestimmten Gruppen von Frauen zugestanden, ĂŒber deren genaue Zusammensetzung in der Literatur Unterschiedliches zu finden ist: Krankenschwestern, die im Krieg Dienst taten;cite-ref-cohen309-88-0[88] euroamerikanische Frauen, die in der Armee arbeiteten oder dort nahe Angehörige (Vater, Ehemann oder Sohn) hatten oder deren VĂ€ter, MĂ€nner oder Söhne im Krieg getötet oder verwundet worden waren;cite-ref-martin61-89-0[89] Frauen, deren EhemĂ€nner, Söhne oder VĂ€ter im Krieg getötet oder verwundet worden waren;cite-ref-cohen309-88-1[88] eine weitere Quellecite-ref-90[90] nennt zusĂ€tzlich die Anforderung, dass die zugelassenen Frauen auf der Ebene der ihres Bundesstaates wahlrechtlich MĂ€nnern gleichgestellt waren.
Am 24. Mai 1918 wurde das aktive nationale Wahlrecht auf alle Frauen britischer und französischer Abstammung ab 21 Jahren ausgedehnt, womit gleiche Kriterien fĂŒr Frauen und MĂ€nner galten.cite-ref-daley349350-84-1[84]cite-ref-cohen309-88-2[88]cite-ref-martin61-89-1[89] Indianer waren ausgeschlossen.cite-ref-ipu-213359-87-1[87]
1919 erhielten Frauen das passive Wahlrecht.cite-ref-sangster203-91-0[91] Zwar nennen andere Quellen hierfĂŒr spĂ€tere Datencite-ref-martin61-89-2[89] und sprechen von einem beschrĂ€nkten Wahlrecht;cite-ref-hdr343-92-0[92] doch beruht dies vermutlich darauf, dass erst 1929 in einem von The Famous Five angestrengten Gerichtsverfahren endgĂŒltig geklĂ€rt wurde, dass das passive Wahlrecht in der Verfassung auch fĂŒr den Senat galt, nicht nur fĂŒr das House of Commons.cite-ref-sangster232-93-0[93]
1920 wurden die EigentumsbeschrÀnkungen aufgehoben.cite-ref-sangster203-91-1[91]
1950 und 1951 wurde durch Ănderungen am Indian Act und am Canada Elections Act das aktive Wahlrecht auf nationaler Ebene auf Veteranen aus dem Kreis der Indianer und ihre Ehefrauen sowie Indianer, die normalerweise auĂerhalb der Reservate lebten, ausgedehnt, wenn sie auf die Steuerbefreiungen verzichteten, die ihnen der Indian Act gewĂ€hrte.cite-ref-94[94] 1950 hatten die Inuit das Wahlrecht erhalten, 1951 alle Bewohner der Nordwest-Territorien. Wahlurnen fĂŒr die Inuit wurden in der östlichen Arktis erst 1962 aufgestellt.cite-ref-95[95]
Judikative
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Hauptartikel
:
Recht Kanadas
Kanadas Rechtssystem spielt eine wichtige Rolle bei der Interpretation von Gesetzen. Es berĂŒcksichtigt die sich verĂ€ndernden gesellschaftlichen Gegebenheiten und hat die Macht, Gesetze zu widerrufen, die gegen die Verfassung verstoĂen. Der Oberste Gerichtshof ist das höchste Gericht und die letzte Instanz. Die neun Mitglieder werden auf Vorschlag des Premierministers und des Justizministers vom Generalgouverneur ernannt. Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes (Chief Justice of Canada, Juge en chef du Canada) ist seit 2017 Richard Wagner. Die Bundesregierung ernennt auch Richter der Obersten Gerichte der Provinzen und Territorien. Die Besetzung von RichterĂ€mtern auf unteren Stufen fĂ€llt in die ZustĂ€ndigkeit der Provinz- und Territorialregierungen.
In den Provinzen sind die obersten Gerichte die Courts of Appeal. Ihre Urteile sind allerdings, im Gegensatz zu denen des Obersten Gerichtshofs in Ottawa, in den anderen Provinzen nicht bindend, wenn sie auch nicht ohne Einfluss sind. Als weitere Rechtsquelle gelten gelegentlich noch immer der Londoner Court of Appeal und das britische House of Lords. Deren Entscheidungen aus der Zeit vor 1867 sind immer noch bindend, es sei denn, der kanadische Oberste Gerichtshof hat sie aufgehoben. Das Gleiche gilt fĂŒr Entscheidungen bis 1949 fĂŒr den Rechtsprechungsausschuss des Privy Council. Dies ist fĂŒr die Rechtsstellung der indigenen und der frankophonen Bevölkerung von erheblicher Bedeutung, da Ă€ltere VertrĂ€ge mit der britischen Krone weiterhin gĂŒltig sind.
Politische Indizes
| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 18,6 von 120 | 172 von 179 | StabilitÀt des Landes: sehr nachhaltig 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land | 2024 [ 98 ] |
| Demokratieindex | 8,69 von 10 | 14 von 167 | VollstÀndige Demokratie 0 = autoritÀres Regime / 10 = vollstÀndige Demokratie | 2024 [ 99 ] |
| Freedom in the World Index | 97 von 100 | â | Freiheitsstatus: frei 0 = unfrei / 100 = frei | 2024 [ 100 ] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 78,8 von 100 | 21 von 180 | Zufriedenstellende Lage fĂŒr die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage | 2025 [ 101 ] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 75 von 100 | 15 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2024 [ 102 ] |
Provinzen und Territorien
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Hauptartikel
:
Provinzen und Territorien Kanadas
Kanada ist ein in zehn Provinzen und drei Territorien gegliederter Bundesstaat. Diese subnationalen Einheiten können in geographische Regionen gegliedert werden. Westkanada besteht aus British Columbia und den drei PrÀrieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba. Zentralkanada umfasst die zwei bevölkerungsreichsten Provinzen Ontario und Québec. Als Seeprovinzen werden New Brunswick, Prince Edward Island und Nova Scotia bezeichnet; zusammen mit Neufundland und Labrador bilden sie die Atlantischen Provinzen. Die drei Territorien Yukon, Nordwest-Territorien und Nunavut umfassen sÀmtliche Gebiete nördlich des 60. Breitengrades und westlich der Hudson Bay.
Die Provinzen verfĂŒgen ĂŒber einen hohen Grad an Autonomie, wogegen in den Territorien die Bundesregierung zahlreiche Verwaltungsaufgaben selbst ĂŒbernimmt. Alle Provinzen und Territorien besitzen ein Einkammerparlament und einen Premierminister als Regierungschef. Der kanadische Monarch wird in allen Provinzen durch einen Vizegouverneurcite-ref-103[103] vertreten, der gleichrangig mit dem Generalgouverneur ist und ĂŒberwiegend zeremonielle Aufgaben wahrnimmt. In den Territorien ĂŒbernimmt ein von der Bundesregierung ernannter Kommissar die Aufgaben eines Vizegouverneurs.
WĂ€hrend in den meisten Bundesverfassungen föderaler Staaten allein die Gesetzgebungskompetenzen des Bundes explizit aufgezĂ€hlt werden, fĂŒhrt das Verfassungsgesetz von 1867 (englisch Constitution Act, 1867, französisch Loi constitutionnelle de 1867) nicht nur in Art. 91 die ausschlieĂlichen Kompetenzen des Bundes, sondern in den Artikeln 92, 92A und 93 auch die ausschlieĂlichen Kompetenzen der Provinzen auf. Hiernach verfĂŒgen die Provinzen ĂŒber das Gesetzgebungsrecht u. a. in den Bereichen direkte Steuern, Beamtenbesoldung, öffentliche Einrichtungen, Gemeindewesen, Schulwesen, Gast- und sonstiges lokales Gewerbe, Eigentum und bĂŒrgerliches Recht, Gerichtsverfassungsrecht, Zivilprozessrecht, Bergbau, Forstwirtschaft und Energie.
| Provinz oder Territorium | Hauptstadt | FlĂ€che in kmÂČ | Bevölkerung 2016 [ 104 ] | Amtssprachen |
|---|---|---|---|---|
| Alberta | Edmonton | 640.082 | 4.252.879 | Englisch |
| British Columbia | Victoria | 922.510 | 4.751.612 | Englisch |
| Manitoba | Winnipeg | 552.330 | 1.318.128 | Englisch |
| Neufundland und Labrador | St. Johnâs | 370.511 | 530.128 | Englisch |
| New Brunswick New Brunswick | Fredericton | 71.377 | 756.780 | Englisch, Französisch |
| Nordwestterritorien Nordwest-Territorien | Yellowknife | 1.143.794 | 44.469 | Englisch, Französisch 1 |
| Nova Scotia | Halifax | 52.939 | 949.501 | Englisch |
| Nunavut Nunavut | Iqaluit | 1.877.788 | 37.082 | Englisch, Französisch 1 |
| Ontario Ontario | Toronto | 908.608 | 13.982.984 | Englisch |
| Prince Edward Island | Charlottetown | 5.686 | 148.649 | Englisch |
| Québec Québec | Québec | 1.356.547 | 8.326.089 | Französisch |
| Saskatchewan | Regina | 588.240 | 1.150.632 | Englisch |
| Yukon Yukon | Whitehorse | 474.713 | 37.492 | Englisch, Französisch |
In den Territorien Nordwest-Territorien und Nunavut haben weitere Sprachen den Status einer Amtssprache.
1974 gab es Bestrebungen im kanadischen Parlament, das britische Ăberseegebiet der Turks- und Caicosinseln in der Karibik als elfte Provinz in den kanadischen Staatsverband aufzunehmen.cite-ref-105[105] Der Gesetzesvorschlag fand jedoch keine Mehrheit und wurde somit abgelehnt. Seit 2003 gibt es jedoch erneute Bestrebungen in diese Richtung. DafĂŒr mĂŒsste jedoch erstens GroĂbritannien die Inseln in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen und zweitens jede einzelne kanadische Provinz zustimmen. Insbesondere Letzteres ist infolge der sehr komplizierten kanadischen Verfassungsprozeduren indes wenig wahrscheinlich.
Rechtssystem und Polizei
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Hauptartikel
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Recht Kanadas
Zwar ist Kanada ein relativ junger Staat, die Rechtsordnung hat jedoch eine lange Tradition. Das in allen Provinzen mit Ausnahme Québecs geltende Common Law basiert auf GrundsÀtzen, die sich wÀhrend Jahrhunderten in England entwickelten und ein Erbe der britischen Kolonialzeit sind. Der in Québec im Bereich des Privatrechts geltende Code civil spiegelt Prinzipien des französischen Rechtssystems wider. Das Strafrecht hingegen ist Sache des Bundesstaates und in allen Provinzen einheitlich. Im Laufe der Zeit wurden beide Rechtssysteme den Erfordernissen in Kanada angepasst.
Beide Rechtssysteme sind in die Verfassung eingeflossen. Deren Kern entstand 1867 mit der GrĂŒndung Kanadas und wurde zuletzt 1982 grundlegend durch das Verfassungsgesetz von 1982 und die Kanadische Charta der Rechte und Freiheiten ergĂ€nzt.
Kanada schaffte 1976 die Todesstrafe fĂŒr Verbrechen in Friedenszeiten ab, 1998 auch im Kriegsstrafrecht. Auslöser war die 1959 erfolgte Verurteilung des damals 14-jĂ€hrigen Steven Truscott zum Tode. Er wurde nach zehn Jahren Haft auf BewĂ€hrung entlassen und 2007 freigesprochen.cite-ref-106[106]
Die Strafverfolgung fĂ€llt in die Verantwortung der Provinzen. Die Polizeibehörden sind mehrstufig aufgebaut. Die Royal Canadian Mounted Police (AbkĂŒrzung RCMP, umgangssprachliche Kurzbezeichnung Mounties, französisch Gendarmerie royale du Canada, GRC) ist die nationale Polizei. Die beiden gröĂten Provinzen verfĂŒgen mit der Ontario Provincial Police (OPP) bzw. der SĂ»retĂ© du QuĂ©bec ĂŒber eigene Provinzpolizeien, dort beschrĂ€nkt sich der Auftrag der RCMP auf den Schutz von Bundeseinrichtungen. Daneben gibt es weitere Polizeibehörden auf Provinzebene (z. B. British Columbia Sheriff Service, Royal Newfoundland Constabulary) und auf regionaler oder örtlicher Ebene (z. B. Toronto Police Service, York Regional Police). Ferner gibt es auf Bundesebene Polizeibehörden mit speziellen Aufgaben (z. B. Parks Canada Warden). Ăhnlich den Vereinigten Staaten existieren fĂŒr die Gebiete von IndianerstĂ€mmen und anderen Ureinwohnern eigene Polizeibehörden. Die beiden groĂen privaten Eisenbahngesellschaften (CP und CN) verfĂŒgen ĂŒber je eine eigene Polizei zur Sicherung ihrer Einrichtungen. Einige Nahverkehrbetreiber sowie manche UniversitĂ€ten haben eigene Hilfspolizeien (sogenannte Special Constables) eingerichtet.
AuĂenpolitik
Die Vereinigten Staaten und Kanada teilen sich die lĂ€ngste nicht verteidigte Staatsgrenze der Welt. Die Kooperation auf militĂ€rischem und wirtschaftlichem Gebiet ist eng; so sind beide LĂ€nder im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens jeweils der gröĂte Handelspartner des anderen.
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Hauptartikel
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Beziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten
Dennoch betreibt Kanada eine eigenstĂ€ndige AuĂenpolitik. Es unterhĂ€lt diplomatische Beziehungen zu Kuba und beteiligte sich nicht am Vietnam- oder am Irakkrieg. Enge Beziehungen unterhĂ€lt der Staat traditionell zum Vereinigten Königreich und zu Frankreich, ĂŒber die Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations und in der internationalen Organisation der Frankophonie auch zu anderen ehemaligen britischen und französischen Kolonien. Ein weiterer Schwerpunkt der auĂenpolitischen Beziehungen sind die Staaten der Karibischen Gemeinschaft. Im 2005 veröffentlichten International Policy Statement legte die Regierung die Leitlinien der AuĂenpolitik fest. Kanada sieht die EuropĂ€ische Union als strategischen Partner in den Bereichen Klimawandel, Energieversorgung, Handel und Umweltschutz sowie bei auĂen- und sicherheitspolitischen Themen. Die Beziehungen zu Deutschland sind gut und von gemeinsamen Werten und GrundĂŒberzeugungen geprĂ€gt.cite-ref-107[107] Seit 2022 finden jĂ€hrliche bilaterale Treffen auf der Regierungsebene in Form der German-Canadian High Level Steering Group on Bilateral Cooperation (HLSG) statt.cite-ref-108[108]
Einen wichtigen Teil der kanadischen IdentitĂ€t bildet die UnterstĂŒtzung der MultilateralitĂ€t.cite-ref-109[109] 1945 gehörte Kanada zu den GrĂŒndungsmitgliedern der Vereinten Nationen. Der spĂ€tere Premierminister Lester Pearson trug wesentlich zur Beilegung der Sueskrise bei und wurde 1957 dafĂŒr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sprach man bis dahin von der âGeburt der kanadischen Nation auf den Schlachtfeldern Europasâ,cite-ref-110[110] so entwickelte sich unter dem Eindruck zahlreicher UN-BlauhelmeinsĂ€tze ein Peacekeeping-Mythos, der Kanadas Rolle in Abgrenzung zu den USA begreift.
âKanadier waren MittelsmĂ€nner, ehrliche Makler, nĂŒtzliche Helfer in einer Welt, in der diese Eigenschaften rar waren. Die Friedenssicherung verĂ€nderte uns, machte uns auf eine gewisse Weise besser.â
â
Jack Granatstein, Historiker
:
Kanada ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen wie der OSZE, der Welthandelsorganisation, der OECD, der OAS, der APEC und der Gruppe der Sieben (G7).
Verschiedene internationale Vereinbarungen entstanden auf kanadische Initiative und wurden in diesem Land verabschiedet. Dazu gehören die Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen und das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht.
MilitÀr
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Hauptartikel
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Kanadische StreitkrÀfte
Die kanadischen StreitkrĂ€fte (englisch Canadian Forces, frz. Forces canadiennes) entstanden in ihrer jetzigen Form 1968, als Heer, Marine und Luftwaffe organisatorisch zusammengefĂŒhrt wurden. Die Truppen umfassten 2020 rund 67.490 freiwillige Berufssoldaten und rund 31.000 Reservisten.cite-ref-112[112] Hinzu kamen (Stand 2012) 5000 Canadian Rangers, deren Hauptaufgabe es ist, in entlegenen arktischen Gebieten militĂ€rische PrĂ€senz zu zeigen.cite-ref-113[113] Die StreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber rund 1400 gepanzerte Fahrzeuge, 34 Kriegsschiffe und 300 Kampfflugzeuge. Kanada gab 2017 knapp 1,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 20,6 Mrd. US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus und lag damit weltweit auf Platz 14.cite-ref-114[114]
Aufgrund der engen Bindungen an das britische Mutterland waren kanadische Truppen am Burenkrieg, am Ersten Weltkrieg und am Zweiten Weltkrieg beteiligt. Seit 1948 stellt Kanada einen bedeutenden Teil der Friedenstruppen der Vereinten Nationen und war an mehr Friedensmissionen beteiligt als jede andere Nation (seit 1989 ohne Ausnahme).cite-ref-115[115] Der Staat beteiligt sich grundsĂ€tzlich nur an kriegerischen Handlungen, die von den Vereinten Nationen sanktioniert wurden, wie etwa am Krieg in Korea, am Persischen Golf, in Afghanistan, jedoch ohne UN-Mandat im Kosovo. Kanada ist GrĂŒndungsmitglied der NATO und Vertragspartner des nordamerikanischen LuftraumverteidigungsbĂŒndnisses NORAD.
Bildungspolitik
Siehe auch
:
Liste der UniversitÀten in Kanada
und
Residential School
Siehe auch
:
Schulsystem in Kanada
Im föderalistischen Kanada gibt es kein einheitliches nationales Bildungssystem, jedoch unterliegt der tertiÀre Bildungsbereich einer einheitlichen staatlichen QualitÀtskontrolle und die meisten kanadischen UniversitÀten sind Mitglied in der Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC), weshalb der Standard allgemein als ausgeglichen gilt.cite-ref-116[116]
FĂŒr das Schulwesen sind ausschlieĂlich die Provinzen und Territorien zustĂ€ndig; es gibt kein landesweites Bildungsministerium. Daher unterscheiden sich in einigen Provinzen Schuleintrittsalter (fĂŒnftes oder sechstes Lebensjahr) und Dauer der Grundschulzeit (bis Klasse 6 oder 7). Die Sekundarstufe (in QuĂ©bec Ăcole polyvalente genannt) umfasst in Form einer Gesamtschule die dreijĂ€hrige Junior Highschool (Sekundarbereich I) und die zwei- bis vierjĂ€hrige Senior Highschool (Sekundarbereich II). Da das Bildungssystem Chancengleichheit anstrebt, erfolgt der Ăbergang von einer Schulstufe in die andere ohne LeistungsprĂŒfung. Erst innerhalb der Senior High School ist der Erwerb des Abschlusszeugnisses (High School Diploma bzw. DiplĂŽme dâĂtudes Secondaire) davon abhĂ€ngig, ob eine bestimmte Zahl von Bewertungspunkten (Creditpoints) erreicht wird. Zwei Prozent der Schulen liegen in privater, ĂŒberwiegend kirchlicher Hand. Etwa zehn Prozent der SchĂŒler besuchen eine Privatschule.cite-ref-117[117] Das Leistungsniveau der Privatschulen galt 2006 als sehr hoch und Kanada war der einzige OECD-Staat, in dem deren SchĂŒler selbst nach Abgleich des familiĂ€ren und sozioökonomischen Hintergrundes mehr lernten, als die SchĂŒler an öffentlichen Schulen.cite-ref-118[118]
WĂ€hrend der Schulbesuch kostenfrei ist, werden an den Hochschulen StudiengebĂŒhren unterschiedlicher Höhe fĂ€llig.cite-ref-119[119] Von den ĂŒber 80 UniversitĂ€ten zĂ€hlen die University of Toronto und die UniversitĂ€t Montreal zu den gröĂten. Die Ă€ltesten sind die UniversitĂ€t Laval in QuĂ©bec von 1663, eine jesuitische Institution, die nach Bischof Laval benannt wurde. Dies berĂŒhrt einen Grundzug der kanadischen Hochschulentwicklung, denn die frĂŒhen Institutionen waren fast alle kirchlichen Ursprungs. Erst 1818 entstand die erste sĂ€kulare Hochschule und die zweite Kanadas, die Dalhousie University in Halifax. Ihr folgten die beiden englischsprachigen Institute, die McGill University in Montreal (1821) und die University of Toronto (1827). Ihnen folgten in den 1840er-Jahren die Queenâs University in Kingston (1841) und die UniversitĂ€t Ottawa (1848). Letztere geht wie die Laval-UniversitĂ€t auf einen Missionsorden zurĂŒck, in diesem Falle auf die Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria. Nach der UnabhĂ€ngigkeit im Jahr 1867 folgten die von einem anglikanischen Bischof gegrĂŒndete University of Western Ontario in London (1878) und die im selben Jahr gegrĂŒndete UniversitĂ€t Montreal (die zweite von vier Hochschulen in der Stadt) sowie die McMaster University in Hamilton in Ontario. Letztere wurde ursprĂŒnglich in Toronto gegrĂŒndet und zog erst 1930 nach Hamilton um. Sie geht auf die Baptist Convention of Ontario zurĂŒck.
Colleges verleihen meist nur 3- bis 4-jĂ€hrige Bachelor-AbschlĂŒsse (z. B. Minors, Majors, Spezialication, Honours), UniversitĂ€ten auch 1-jĂ€hrige konsekutive âpost-bachelorâ Bachelor mit Honours-/Baccalaureatus Cum Honore-, 1- bis 3-jĂ€hrige Master- und 3- bis 5-jĂ€hrige Ph.D.-AbschlĂŒsse. In diversen Hochschulrankings nehmen einige kanadische UniversitĂ€ten Spitzenpositionen ein: Beispielsweise war in der langjĂ€hrigen Durchschnittsbewertung des in Nordamerika am weitesten verbreiteten Rankings, der QS World University Rankings, im Jahr 2018 die McGill University innerhalb Kanadas auf Platz 1 und weltweit auf Platz 28. Laut dem Academic Ranking of World Universities (Shanghai-Ranking) aus dem Jahr 2018 (Jiaotong-UniversitĂ€t Shanghai) zĂ€hlen die University of Toronto auf Platz 23 und die University of British Columbia in Vancouver auf Platz 43 zu den besten Hochschulen. Die First Nations besitzen seit 2003 eine eigene UniversitĂ€t, die First Nations University of Canada in Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan. 1989 begannen die bedeutendsten UniversitĂ€ten sich zusammenzuschlieĂen, um Forschungsvorhaben zu koordinieren. Seit 2011 besteht die Gruppe als U15 Group of Canadian Research Universities, zu der ein nunmehr geschlossener Kreis von 15 UniversitĂ€ten zĂ€hlt. 2016 studierten ĂŒber eine halbe Million auslĂ€ndische Studenten an kanadischen Bildungseinrichtungen. Die gröĂte Gruppe davon kam aus der Volksrepublik China.cite-ref-120[120]
Im PISA-Ranking von 2015 erreichen Kanadas SchĂŒler Platz 10 von 72 LĂ€ndern in Mathematik, Platz 7 in Naturwissenschaften und den zweiten Platz beim LeseverstĂ€ndnis. Kanadische SchĂŒler gehörten damit zu den besten von allen teilnehmenden LĂ€ndern und schnitten deutlich besser ab als die aus den benachbarten Vereinigten Staaten. Die Studie stellte zudem fest, dass SchĂŒler aus Ontario und British Columbia die besten Leistungen erbrachten.cite-ref-121[121]
Umweltpolitik
â Siehe auch: Klimapolitische MaĂnahmen Kanadas
Die Umweltpolitik Kanadas hat ungewöhnliche naturrĂ€umliche Grundlagen, vor allem ist aber die Gemengelage der Interessen eine spezifisch kanadische. Kanadas Natur ist zum bedeutendsten Faktor fĂŒr den Tourismus geworden. Dazu tragen 43 National- und weit ĂŒber 1500 Provinzparks sowie weitere Schutzgebiete bei, die vor allem riesige Waldgebiete beinhalten. Der Ă€lteste von ihnen ist der Banff-Nationalpark von 1885, der inzwischen ĂŒber autobahnartige StraĂen dem Massentourismus erschlossen wird. 1911 entstand Parks Canada (gleichberechtigt auch Parcs Canada) als Ă€lteste Nationalparkverwaltung der Welt. Doch kollidieren touristische, Erhaltungs-, Erholungs- und wissenschaftliche Interessen mit den Verwertungsinteressen der Rohstoffindustrie und gelegentlich den Interessen der Ureinwohner.
Intakte UrwĂ€lder (old growth) existieren in Kanada auch nach drei Jahrhunderten des Raubbaus aufgrund der geringen Besiedlungsdichte noch auf enorm groĂen FlĂ€chen. Nach Global Forest Watch Canada sind noch 62 % der borealen WĂ€lder und 30 % der gemĂ€Ăigten WĂ€lder intakt (natĂŒrliche Ăkosysteme, die im Wesentlichen vom Menschen unbeeinflusst sind).cite-ref-forestwatch-14-1[14] Der Raubbau an der Grenze zu den besiedelten Gebieten ist jedoch immens und hat dort nur noch kleine Urwaldreste zurĂŒckgelassen. Ohne den Widerstand von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, die in Vancouver gegrĂŒndet wurde, oder dem Western Canada Wilderness Committee sowie den lokalen Indianern wĂŒrden auch diese UrwĂ€lder sicherlich nicht mehr existieren. Die Unternehmen der Holzindustrie sind so eng mit den politischen Eliten der Provinzen verbunden, dass erst internationaler Druck und hĂ€ufig Zwang der Bundesregierung und der Gerichtshöfe die BestĂ€nde in einigen FĂ€llen retten konnten (vgl. Clayoquot Sound). Dagegen haben sich Wissenschaftler und zahlreiche UmweltverbĂ€nde zusammengeschlossen, und die lange unbedeutende Green Party of Canada konnte bei der Wahl von 2008 knapp sieben Prozent der WĂ€hler gewinnen.cite-ref-122[122]
Nach einer Studie der Simon Fraser University, die auf Betreiben der David Suzuki Foundation durchgefĂŒhrt wurde, liegt Kanada bei dreiĂig untersuchten Staaten bei der Produktion von AtommĂŒll und Kohlenstoffmonoxid auf dem hintersten Rang. Zudem nimmt es beim Wasserverbrauch den 29. Platz ein. Insgesamt rangieren Kanada, Belgien und die USA am unteren Ende der Staatengruppe. Im Oktober 2008 versuchten sich mehrere hundert Wissenschaftler gegen die Diskreditierung ihrer Arbeit durch die Regierung zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig fanden in Victoria die gröĂten Demonstrationen der letzten 15 Jahre gegen die Abholzung der letzten UrwĂ€lder auf Vancouver Island statt.cite-ref-123[123]
Eine weitere Gefahr fĂŒr die UrwĂ€lder, aber ebenso sehr fĂŒr die riesigen nachgewachsenen WĂ€lder stellte der in Kanada Mountain Pine Beetle genannte BergkiefernkĂ€fer dar. Er vernichtete mehrere Millionen Hektar Wald.cite-ref-124[124]
Die ĂŒber 250 StaudĂ€mme, die rund 58 % der in Kanada 2007 produzierten Strommenge von 612,6 Milliarden Kilowattstunden produzieren halfen (wovon Kanada ĂŒber 2016 73 Milliarden Kilowattstunden exportierte)cite-ref-cia-ca-2-2[2], werden inzwischen ebenso kritisch mit Blick auf ihre Umweltbilanz betrachtet wie der Abbau der BodenschĂ€tze. In beiden FĂ€llen kam es nicht nur zu hĂ€ufigen Zwangsumsiedlungen der Ureinwohner wie der Innu in Labrador, sondern auch zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen wie beim Abbau der Athabasca-Ălsande in Alberta. Am 14. Oktober 2008 lehnten die Cree, denen die rechtlich privilegierte Rolle der Provinzen gegenĂŒber der Bundesregierung in Fragen der BodenschĂ€tze und der Stromgewinnung und gegenĂŒber den indianischen Nationen bewusst ist, den âGrĂŒnen Planâ der Quebecer Provinzregierung daher ab.cite-ref-125[125] Er hĂ€tte zudem QuĂ©bec erneut die Verwaltung des riesigen James-Bay-Gebiets zurĂŒckgegeben, die die Cree nach langen Verhandlungen erst 2002 errungen hatten. Seit 2009 kĂ€mpfen drei lokale Cree-Gruppen mit internationaler UnterstĂŒtzung um den Wald im Broadback-Tal, einen groĂen zusammenhĂ€ngenden borealen Urwald am Rand der Holzeinschlagszone.
Im Nordosten British Columbias kam es allein 2005 bis 2008 zu sieben von der Polizei als höchst gefÀhrlich eingeschÀtzten AnschlÀgen auf Gasleitungen der Encana Corporation, in denen stark giftiger Schwefelwasserstoff transportiert wird.cite-ref-126[126]
Am 29. April 1998 unterzeichnete die Regierung das Kyoto-Protokoll und verpflichtete sich, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um sechs Prozent zu senken. Stattdessen stiegen die Emissionen von 1990 bis 2004 um mehr als ein Viertel. Beim Klimaschutz-Index 2008 lag Kanada auf Platz 53 von 56 untersuchten Staaten, womit das Land beim Kohlenstoffdioxid-AusstoĂ nur noch vor Saudi-Arabien, den USA und Australien rangiert.cite-ref-127[127] Im Dezember 2011 erklĂ€rte der Staat kurz nach der UN-Klimakonferenz in Durban seinen RĂŒckzug vom Kyoto-Protokoll. Damit sparte Kanada 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) an Strafzahlungen fĂŒr das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele. Unter anderem trĂ€gt die Ălsandindustrie erheblich zum steigenden TreibhausgasausstoĂ des Landes bei.cite-ref-128[128]
Rechtlich liegt der Umweltpolitik vor allem der Canadian Environmental Protection Act von 1999 zugrunde. Das zustÀndige Ministerium ist das Department of the Environment unter Leitung von Jim Prentice (seit 2008). Ihm unterstehen neben anderen Organisationen Parks Canada und der Canadian Wildlife Service. Jede Provinz hat zudem ein eigenes Umweltministerium.
Wirtschaft
â
Hauptartikel
:
Wirtschaft Kanadas
und
Wirtschaftsgeschichte Kanadas
Kanada gehört zu den wohlhabendsten LĂ€ndern der Welt. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt lag es 2024 mit umgerechnet 2,2 Billionen US-Dollar auf dem 9. Platz, bei der KaufkraftparitĂ€t mit 2,6 Billionen internationalen Dollar auf Platz 16. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt der Staat 2024 mit 54.531 US-Dollar auf Platz 19, sowie kaufkraftbereinigt mit 63.870 US-Dollar auf Platz 30. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schĂ€tzt Kanada aufgrund seines Index der menschlichen Entwicklung als Land mit âsehr hoher menschlicher Entwicklungâ ein. Der Staat gilt zugleich als soziale Marktwirtschaft. Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Staates misst, belegt Kanada Platz 14 von 141 Staaten (Stand: 2019).cite-ref-129[129] Der Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 16 höchste von 176 LĂ€ndern.cite-ref-130[130]
Kanada war, laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017, der Staat mit dem achtgröĂten nationalen Gesamtvermögen weltweit. Der Gesamtbesitz der Kanadier an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 7.407 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person betrĂ€gt 259.271 Dollar im Durchschnitt und 91.058 Dollar im Median (Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). Der Gini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2016 bei 73,0 was auf eine mittlere Vermögensungleichheit hindeutet. Sowohl Einkommen als auch Vermögen sind in Kanada gleichmĂ€Ăiger verteilt als in den benachbarten USA.cite-ref-131[131]
Der Mindestlohn unterscheidet sich in jeder Provinz und wird von den einzelnen Provinzen selber festgelegt. BeschĂ€ftigte des Staates Kanada erhalten mindestens den Mindestlohn, der in der Provinz gilt, in der sie beschĂ€ftigt werden. 2017 lag er zwischen 10,72 (Saskatchewan) und 13,00 Dollar (Nunavut).cite-ref-132[132] Von diesem Mindestlohn kann in einigen Bundesstaaten fĂŒr verschiedene BeschĂ€ftigungsgruppen (z. B. fĂŒr BeschĂ€ftigte, die Trinkgelder erhalten, oder fĂŒr Jugendliche) abgewichen werden. Ebenfalls haben einigen Bundesstaaten jĂ€hrliche automatische Anpassungen (z. B. Anpassung an Teuerungsraten) eingefĂŒhrt.
Ăberdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Urproduktion, also des primĂ€ren Wirtschaftssektors, was auf den Reichtum an natĂŒrlichen Ressourcen zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die in der Provinz Ontario abgebauten Mengen an Nickel decken etwa 20 % des Weltbedarfs, Kanada besitzt mit rund 28 Milliarden Tonnen die drittgröĂten Erdölreserven nach Venezuela und Saudi-Arabien (Stand 2017), verfĂŒgt ĂŒber zehn Prozent des weltweiten Waldbestands, dazu bedeutende Vorkommen von Schwefel, Asbest, Aluminium, Gold, Blei, Kohle, Kupfer, Eisenerz, Kaliumcarbonat, Tantal, Uran und Zink.cite-ref-133[133] Vor der KĂŒste der Atlantischen Provinzen liegen umfangreiche Vorkommen an Erdgas, in Alberta die Athabasca-Ălsande.cite-ref-134[134] Wald und Wasserkraft bilden die Grundlage fĂŒr die Zellstoff- und Papierindustrie.
Zahlreiche Stauseen liefern Strom und bilden damit das RĂŒckgrat der Energieproduktion. Allein 360.000 GWh stammten aus Wasserkraft, womit Kanada knapp hinter China der zweitwichtigste Stromproduzent auf diesem Sektor ist.cite-ref-135[135] In Kanada werden ĂŒber elf Prozent des Weltstrombedarfs gedeckt, und es ist eines der wenigen IndustrielĂ€nder, die Netto-Exporteure von Energie sind.cite-ref-136[136] Die Verbindung innerhalb Nordamerikas ist dabei inzwischen so eng, dass sich riesige, grenzĂŒberschreitende VersorgungsverbĂŒnde entwickelt haben, wie die Western Interconnection, die bis nach Mexiko reicht. Weitere Energielieferanten sind Gas, Ăl, Uran (18 produzierende Kernkraftwerke) und regenerative Energien. Kernkraftwerke lieferten 2010 genau 85.219,889 von insgesamt 565.519,793 GWh Strom, also rund 15 % des Stroms.cite-ref-137[137] Insgesamt waren in Kanada Ende 2020 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 13,58 GWcite-ref-gwec2021-138-0[138] installiert (2017: 12,24 GWcite-ref-gwec-2017-139-0[139], 2018: 12,82 GWcite-ref-gwec2019-140-0[140], 2019: 13,41 GWcite-ref-gwec2021-138-1[138]). Damit lag der Staat weltweit auf Rang 9.cite-ref-gwec2021-138-2[138]cite-ref-gwec-2017-139-1[139]cite-ref-gwec2019-140-1[140] Der gröĂte Windpark mit 364 MW befindet sich in der Provinz QuĂ©bec im Gemeindeverband La CĂŽte-de-BeauprĂ©.cite-ref-141[141]
Kanada ist aufgrund seiner hohen ĂberschĂŒsse einer der gröĂten Lieferanten von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, doch ist das Produktspektrum in den PrĂ€rieprovinzen sehr eng; im Mittelpunkt steht dabei ganz ĂŒberwiegend Weizen, bei dessen Produktion Kanada 2003 mit 50,168 Millionen Tonnen an achter Stelle nach Frankreich stand.cite-ref-142[142] Hinzu kommt Viehwirtschaft, vor allem Rinderzucht, in den letzten Jahren auch wieder die kommerzielle Zucht von Bisons. An den KĂŒsten wird Fischzucht betrieben, die jedoch mit dem Fang von Wildfischen in Konflikt steht. Dabei ist British Columbia der gröĂte Exporteur von Lachs und Heilbutt.
Die Zentren der Industrie liegen im SĂŒden der Provinzen Ontario und QuĂ©bec, vor allem in den GroĂrĂ€umen von Toronto und Montreal. Dabei spielen die Automobil- und die Luftfahrtindustrie eine bedeutende Rolle, hinzu kommen Metallindustrie, Nahrungsmittelverarbeitung sowie Holz- und Papierindustrie. Ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen die chemische und die elektrotechnische Industrie, vor allem aber der Hightech-Bereich. Dies hĂ€ngt mit dem Niedergang der groĂen Automobilkonzerne in den USA zusammen, der vor allem die Zulieferer und DĂ©pendancen im Ballungsraum Toronto trifft. Alle Industrien, die sich dem Sektor der Gas- und Ălförderung anlagern, konzentrieren sich hingegen im GroĂraum Calgary, doch leidet diese prosperierende Industrie jĂŒngst unter rapidem Preisverfall bei steigenden Explorationskosten. Dies hĂ€ngt zum Teil mit geologisch bedingten Hemmnissen zusammen, mit dem inzwischen sehr hohen Lohnniveau und dem wachsenden Widerstand gegen die Zerstörungen der Umwelt. Dennoch entwickelte sich Kanada 2018 zum weltweit viertgröĂten Förderer von Rohöl.cite-ref-143[143]
Die Exporte betrugen 2007 36,7 % und die Importe 32,8 % des BIP. Bei weitem wichtigster Handelspartner waren dabei die USA mit 76,4 % der Exporte und 65,0 % der Importe.cite-ref-144[144] Kanada belegt nach der EU, den USA, Japan und der Volksrepublik China den fĂŒnften Platz in der WeltauĂenhandelsstatistik.cite-ref-145[145] Der AuĂenhandel ist weitgehend frei, nur in wenigen SchlĂŒsselbereichen sind auslĂ€ndische Investitionen auf Minderheitsbeteiligungen beschrĂ€nkt.
Mit Abstand am meisten Bedeutung besitzt der Dienstleistungssektor mit 66 % (2008) Anteil am Bruttoinlandsprodukt, gefolgt von der Industrie mit 32 % und der Landwirtschaft mit knapp 2 %.cite-ref-146[146] Sieben der zehn gröĂten kanadischen Unternehmen â wenn man den Umsatz zugrunde legt â sind allein im Banken- und Versicherungsbereich tĂ€tig. War die Wirtschaft in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts noch weitgehend auf den Export nach Europa orientiert, vor allem in das Britische Empire, so wurden die Handelsbarrieren zum Nachbarstaat USA nach dem Zweiten Weltkrieg allmĂ€hlich weitgehend abgebaut. Ein erster wichtiger Schritt war das 1965 vereinbarte Canada-United States Automotive Agreement (auch Auto Pact genannt), das die Grenzen fĂŒr die Automobilindustrie vollstĂ€ndig öffnete. Das Kanadisch-Amerikanische Freihandelsabkommen von 1988 schaffte die Zölle zwischen beiden LĂ€ndern ab und fĂŒhrte zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens und der US-Investitionen in Kanada. Mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen wurde diese Freihandelszone 1994 auf Mexiko ausgedehnt. Weitere Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit der EFTA.cite-ref-147[147] Kanada ist Mitglied zahlreicher wirtschaftspolitischer Organisationen, wie der Welthandelsorganisation, der OECD, des Internationalen WĂ€hrungsfonds, der Weltbank und der G7.
Als eine der gröĂten SchwĂ€chen der kanadischen Wirtschaft hat die OECD die mangelnde Umsetzung von Erfindungen in verwertbare Patente eingeschĂ€tzt.cite-ref-148[148] Daher stieĂ die Regierung 2007 ein Programm namens Mobilizing Science and Technology to Canadaâs Advantage an. Es soll die geringe Zahl der Patente erhöhen und zu mehr Investitionen im Forschungs- und Entwicklungsbereich anregen. Es soll zugleich die Zusammenarbeit von staatlichen Bildungseinrichtungen und industriellen Komplexen fördern. Zudem wurden Centres of Excellence in Commercialisation and Research eingerichtet sowie ein College and Community Innovation Program.
Die gröĂte Arbeitnehmervertretung bildet der Canadian Labour Congress (CLC) oder französisch der CongrĂšs du travail du Canada (CTC) mit seinen rund hundert Einzelgewerkschaften in 136 Distrikten, die nach eigenen Angaben drei Millionen Mitglieder haben.cite-ref-149[149] Er ist 1956 aus dem Zusammenschluss von Trades and Labour Congress of Canada (TLC) und Canadian Congress of Labour (CCL) hervorgegangen. WĂ€hrend die TLC Ă€hnlich wie in Europa nach Branchen organisiert war, war die CCL nach Orten organisiert und umfasste dort alle Gewerbe. Zudem hatte der TLC die Liberalen unterstĂŒtzt, wĂ€hrend bei der CCL AnhĂ€nger der sozialistischen Co-operative Commonwealth Federation vertreten waren. Zugleich integrierte sie die kommunistische Workers Unity League (WUL), als sie 1939 ein BĂŒndnis gegen den Faschismus bildeten. Auch die in British Columbia ansĂ€ssigen International Woodworkers of America galten als kommunistisch, wurden aber 1948 integriert. Wenig spĂ€ter wurden die Kommunisten ausgeschlossen. Die CLC spielte eine wichtige Rolle bei der 1962 erfolgten GrĂŒndung der New Democratic Party und bekĂ€mpfte gemeinsam mit ihr das Freihandelsabkommen mit den USA. Vorsitzender des CLC ist seit 1999 Kenneth V. Georgetti. Closed Shops sind rechtlich zulĂ€ssig und in vielen Branchen ĂŒblich.
Die Finanzkrise ab 2007 blieb nicht ohne Wirkungen auf die kanadische Wirtschaft. Betroffen waren zunĂ€chst die Finanzdienstleister, die sich in Toronto ballen, wo die Toronto Stock Exchange (TSX) die drittgröĂte Börse Amerikas darstellt, aber auch die Immobilienindustrie, und mit der Insolvenz von Nortel im Januar 2009 auch die AusrĂŒster fĂŒr Telekommunikationsunternehmen.cite-ref-150[150] Unter diesen Unternehmen ist BCE (Bell Canada Enterprises) das Ă€lteste und gröĂte. Im 4. Quartal 2008 gingen die Exporte um 17,5 % zurĂŒck.cite-ref-151[151] Die Arbeitslosigkeit lag im August 2009 jeweils bei 8,7 % (September 2007 5,9 %).cite-ref-152[152] Im April 2022 lag sie bei 5,2 %.cite-ref-153[153]
AuĂenhandel
| Export nach (in Prozent) | Export nach (in Prozent) | Import von (in Prozent) | Import von (in Prozent) |
|---|---|---|---|
| Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 73,4 | Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 48,2 |
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 4,6 | China Volksrepublik Volksrepublik China | 14,0 |
| Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich | 2,6 | Mexiko Mexiko | 5,4 |
| Japan Japan | 2,3 | Deutschland Deutschland | 3,1 |
| Mexiko Mexiko | 1,3 | Japan Japan | 2,5 |
| Deutschland Deutschland | 1,0 | Italien Italien | 1,7 |
| Indien Indien | 0,8 | Korea Sud SĂŒdkorea | 1,7 |
| Vereinte Nationen sonstige Staaten | 12,7 | Vereinte Nationen sonstige Staaten | 23,0 |
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 594,0 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 514,5 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,4 % des BIP.cite-ref-cia-155-0[155]
Die Staatsverschuldung betrug 2016 1.406 Mrd. US-Dollar oder 92 % des BIP.cite-ref-cia-155-1[155] Trotz der hohen Staatsverschuldung werden kanadische Staatsanleihen von der Ratingagentur Standard & Poorâs mit der Bestnote AAA bewertet (Stand 2018).cite-ref-156[156]
Der Staatshaushalt finanziert das funktionierende System des kanadischen Finanzausgleichs.
2020 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:cite-ref-157[157]
âą Gesundheit: 12,9 %
âą Bildung: 5,2 %
⹠MilitÀr: 1,4 % (2024)
Medien
Presse
â
Hauptartikel
:
Geschichte der kanadischen Zeitungen
Die erste Zeitung auf dem Gebiet Kanadas war John Bushells Halifax Gazette, die 1752 erschien.cite-ref-158[158]cite-ref-159[159] In Neufrankreich existierten keine Zeitungen, doch grĂŒndeten William Brown und Thomas Gilmore aus Philadelphia die zweisprachige Quebec Gazette in QuĂ©bec. 1785 entstand durch Fleury Mesplet, den die Briten wegen seiner Aufforderung zum Anschluss an die USA inhaftiert hatten, das heute Ă€lteste Blatt, die Montreal Gazette. 1793 folgte in Niagara-on-the-Lake die erste Zeitung in Ontario, die Upper Canada Gazette. Diese frĂŒhen BlĂ€tter hingen weitgehend von Zuwendungen der Regierung und von AnzeigenertrĂ€gen ab, kaum von KĂ€ufern und Abonnenten. Dies sollte sich in Kanada als Dauerzustand erweisen.
In QuĂ©bec entstanden 1805 und 1811 der City Mercury und in Montreal der Herald als Sprachrohre der dortigen HĂ€ndlereliten, wĂ€hrend Le Canadien (1806) und La Minerve (1826) die Frankophonen vertraten. Gegen diese Kolonial- und HĂ€ndlereliten wandte sich in Ober-Kanada der Colonial Advocate, den William Lyon Mackenzie herausbrachte und der die Reform- und Farmergruppen vertrat. Ăhnliches galt fĂŒr Joseph Howes Novascotian (1824) in Halifax.
Die meisten Zeitungen hingen von Parteien ab, insbesondere den Reformern (den heutigen Liberalen) und den Konservativen, und zwar meist als Organe bestimmter politischer FĂŒhrer. So war der Toronto Globe (1844) die Stimme des Reformers George Brown, die Toronto Mail (1872) hingegen wurde bald zur Stimme von John Macdonald, dem ersten Premier Kanadas. Ăhnlich organisierten 1899 GeschĂ€ftsleute den Toronto Star zugunsten von Wilfrid Laurier um. Dagegen kauften wiederum die dortigen Konservativen die Toronto News 1908 als Parteiorgan. Jede gröĂere Stadt hatte folglich ein liberales und ein konservatives Blatt, das die jeweilige Klientel versorgte. Bis in die 1930er-Jahre hinein blieben die Quebecer BlĂ€tter dabei von der jeweiligen Regierung abhĂ€ngig.
BlĂ€tter, die nicht einer der FĂŒhrungsgruppen angehörten, wie die kommunistische Presse, wurden immer wieder verboten. Der von streikenden Druckern 1892 gegrĂŒndete Toronto Star ging â wie die meisten Arbeiterzeitungen â ein. In QuĂ©bec erlieĂ die Regierung Maurice Duplessis den Padlock Act, der ihre Zeitungen traf. Noch 1970 ĂŒbte die Regierung eine Art Zensur aus, als es in der Oktoberkrise zu EntfĂŒhrungen kam.
Der erste Versuch einer Tageszeitung, der Montreal Daily Advertiser, ging nach einem Jahr 1834 in den Konkurs. Doch 1873 gab es bereits 47 Tageszeitungen, 1913 gar 138. Im Ă€uĂersten Westen erschien der British Colonist ab 1858, die Manitoba Free Press 1872, der Saskatchewan Herald 1878 und das Edmonton Bulletin 1880. Die Verbreitung des Radios ab den 30er-Jahren und des Fernsehens ab den 50er-Jahren kostete die Zeitungen viele Werbekunden, so dass 1953 nur noch 89 Tageszeitungen existierten. 1986 erholte sich die Zahl wieder auf 110, doch nur noch acht StĂ€dte hatten zwei oder mehr Tageszeitungen.
Heute gehören die meisten Zeitungen zu groĂen Konglomeraten der Medienindustrie. Die Erlaubnis, in beiden Bereichen der Medien, Fernsehen und Printmedien, Unternehmen zu erwerben, war lange umstritten, doch seit Brian Mulroney gibt es darin keine Begrenzung mehr. Im englischen Sprachraum ist Postmedia Network fĂŒhrend, sie bieten in den meisten ProvinzhauptstĂ€dten die fĂŒhrende Tageszeitung an. 90 % der frankophonen Zeitungen gehören drei Medienunternehmen: Pierre Karl PĂ©ladeaus Quebecor Inc., der allein die HĂ€lfte der Gesamtauflage liefert, Paul Desmaraisâ Gesca und Jacques FrancĆurs UniMĂ©dia. Schon 1950 beherrschten die vier gröĂten Medienunternehmen 37,2 % des Gesamtmarktes, 1970 waren dies 52,9 %, 1986 gar 67 %. 80 % der Einnahmen stammen dabei aus Werbung, nur 20 % aus Verkaufserlösen.
Radio
Mit dem Radio experimentierte zunĂ€chst Guglielmo Marconi ab 1896, 1901 gelang ihm die erste drahtlose SignalĂŒbertragung ĂŒber den Atlantik von Cornwall nach Neufundland.cite-ref-160[160] Weil die Radiotechnik zunĂ€chst eher der Kontaktaufnahme zu Schiffen diente, unterstand die Aufsicht ĂŒber den Radiotelegraph Act von 1913 dem Minister fĂŒr Marine und Fischerei. Die Ăberlebenden der Titanic verdankten ihre Rettung den von Marconi gesendeten Radiowellen. Er war auch der erste, der 1919 eine private Sendelizenz in Kanada erhielt. Zeitgleich begann sich in Kanada der kommerzielle Rundfunk zu entwickeln und in MontrĂ©al ging die Station XWA auf Sendung.cite-ref-161[161] 1928 bestanden bereits 60 Radiostationen. Dieser Entwicklung gedachte die kanadischen Regierung am 26. Juli 2019 und erklĂ€rte die Entstehung des kommerziellen Rundfunks zwischen dem Ende der 1910er- und dem Anfang der 1930er-Jahre in Kanada zu einem ânationalen historischen Ereignisâ.cite-ref-162[162]
Dennoch stellte die Royal Commission on Radio Broadcasting unter Leitung von John Aird im Jahr 1929 in einem Bericht fest, dass viele Kanadier US-Stationen lauschten. Erst 1932 entschied das britische Judicial Committee of the Privy Council, dass der Staat die Oberaufsicht ĂŒber die Radiokommunikation zu Recht beanspruche. 1936 begann die öffentliche Canadian Broadcasting Corporation (CBC) ihren Sendebetrieb, der seit 1932 von der Radio Commission begonnen worden war. Bis dahin hatte sich die Zahl der RadioempfĂ€nger binnen fĂŒnf Jahren auf eine Million verdoppelt.
Die heutige Struktur der CBC ist ein Produkt der Weltwirtschaftskrise: Es entstanden nur fĂŒnf zentrale Sender, deren Sendungen von privaten Distributoren weitergeleitet wurden. So entstand ein gemischtes System staatlicher und privater Sender, in dem den privaten Sendern nur eine regionale Ausstrahlung gestattet wurde. Kanada wurde eines der LĂ€nder mit den meisten Radiostationen, und eines der ersten mit Satellitensendern. Dennoch ist die US-amerikanische Konkurrenz stark vertreten.
Fernsehen
Seit 1952 gibt es Fernsehen in Kanada, wobei die CBC die Regulierungsaufgaben wahrnahm und zugleich der bedeutendste Sender wurde. Auch hier dienten private Netzwerke als Distributoren fĂŒr CBC-TV. Einer Kampagne der Privatsender gegen das CBC-Monopol folgte der Broadcasting Act von 1958 unter John Diefenbaker. Es entstand ein 15-köpfiger Board of Broadcast Governors (BBG), der die AntrĂ€ge fĂŒr neue Sender annahm und eher Privatsender förderte. Das TV expandierte schnell, und 1961 entstand ein zweites Netzwerk, CTV. Zwischen BBG und CBC kam es zu heftigen Streitigkeiten, so dass 1968 die Lizenzvergabe an die Canadian Radio-Television Commission (heute Canadian Radio-Television and Telecommunications Commission, CRTC) vergeben wurde, die auch das 1968 etablierte Kabel-TV an sich zog. Der Anspruch auf âSchutz, Bereicherung und StĂ€rkung der kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Struktur Kanadasâ, wie es im Gesetz heiĂt, sollte dabei gewahrt werden. Dennoch fĂŒhrten SparmaĂnahmen in den letzten vier Jahrzehnten zu einer zunehmenden AbhĂ€ngigkeit von Werbeetats und Einschaltquoten.
Dabei sind US-Sender ĂŒber Kabel praktisch ĂŒberall zu empfangen. Folglich besetzen sie im englischsprachigen Kanada rund 75 % der besten Sendezeit, wĂ€hrend dieser Anteil in QuĂ©bec nur bei 40 % liegt. Hier spielt TVA die wichtigste Rolle.
Inwiefern das Internet die entstandene Medienmacht relativieren kann, ist noch offen, zumal alle etablierten Medien in diesem neuen Markt zunehmend engagiert sind. Die Interessen der unabhÀngigen Medienunternehmen vertritt seit 1948 die Assoziation der kanadischen Film- und Fernsehproduktion.
Infrastruktur
Die Hauptverkehrsachse des Ostens verlĂ€uft entlang dem Sankt-Lorenz-Strom durch Ontario und QuĂ©bec und verbindet Toronto, Montreal, QuĂ©bec und Ottawa miteinander. Der gesamte Norden des Landes ist verkehrsmĂ€Ăig wenig erschlossen, da hier, auĂer in den Gebieten der Rohstoffförderung, kaum Bedarf besteht. Die BallungsrĂ€ume des Westens sind, wie im Osten, hauptsĂ€chlich nahe der amerikanischen Grenze durch Verkehrssysteme verbunden, sieht man einmal von der Anbindung Edmontons ab. Dies ist vor allem dem politischen Willen der kanadischen Regierung zu verdanken, die allein durch drei transkontinentale Eisenbahnlinien und diverse Stichbahnen die weit auseinander liegenden Provinzen miteinander verbinden wollte. Davor war dies durch KanĂ€le geschehen, nach der Eisenbahnepoche folgten StraĂenbauten, schlieĂlich Fluglinien.
StraĂen
Das StraĂensystem Kanadas hatte 2011 eine GesamtlĂ€nge von 1.042.300 km und ist damit das siebt-lĂ€ngste der Welt. Asphaltierte StraĂen hatten eine LĂ€nge von 415.600 km, wovon 17.000 km Autobahnen waren. Nach China und den Vereinigten Staaten hatte Kanada damit das drittlĂ€ngste Autobahnnetz.
Das dichteste StraĂennetz befindet sich im Bereich der höchsten Bevölkerungsdichten in den Atlantikprovinzen, in SĂŒd-Ontario, in QuĂ©bec entlang des St. Lorenz, in den sĂŒdlichen PrĂ€rieprovinzen und im Bereich der FrasermĂŒndung um Vancouver. Als ein alle Provinzen verbindendes Element wurde von Victoria am Pazifik bis St. Johnâs am Atlantik der Trans-Canada-Highway gebaut, mit 8000 km eine der lĂ€ngsten StraĂen der Welt. In den BallungsrĂ€umen und als Verbindung zwischen gröĂeren Zentren ist diese StraĂe als Autobahn ausgebaut. Durch Ontario fĂŒhren zwei Routen dieser StraĂe, eine nördlichere und eine sĂŒdlichere. Der Trans-Canada-Highway ist die einzige BundesstraĂe Kanadas.
Die ĂŒbrigen LandstraĂen, auch die Autobahnen, werden von den Provinzen gebaut und unterhalten. Die verkehrsreichste Autobahn Kanadas bildet das RĂŒckgrat des QuĂ©bec-Windsor-Korridors, in Ontario mit der StraĂennummer â401â. Mit 16 Spuren durch den Ballungsraum Toronto gehört der 401 zu den breitesten Autobahnen der Welt. Nach Norden fĂŒhren nur wenige StraĂen, von denen die meisten wegen groĂer BaumaĂnahmen (StaudĂ€mme, Bergbau etc.) gebaut wurden, oder aus militĂ€rischen GrĂŒnden entstanden (zum Beispiel der Alaska Highway).
In Kanada von Bedeutung sind Ăberlandbusse. Jede Region verfĂŒgt ĂŒber ein ausgedehntes Busnetz; die gröĂte Busgesellschaft Greyhound Canada stellte jedoch im Mai 2021 im Nachgang zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise den nationalen Betrieb ein. Aufrechterhalten wird lediglich der grenzĂŒberschreitende Verkehr in die U.S.A.cite-ref-163[163]
In Kanada herrscht Rechtsverkehr und die Geschwindigkeiten sind in km/h angegeben. Das NationalitĂ€tskennzeichen ist CDN (nicht CND fĂŒr Canada) und steht fĂŒr Canadian Dominion. Dieses wird auch als AbkĂŒrzung in Herkunftsangaben z. B. bei Spielfilmen verwendet.
Der StraĂenverkehr des Landes gilt als weitestgehend sicher. 2013 kamen in Kanada insgesamt 6,1 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate. 2016 kamen im Land 662 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner.cite-ref-164[164]
Flugverkehr
Zur Ăberwindung der groĂen Entfernungen ist der Inlandsflugverkehr von erheblicher Bedeutung. Etwa 75 Fluggesellschaften, darunter Air Canada, die mit 34 Millionen transportierten Passagieren gröĂte Fluggesellschaft Kanadas, Westjet Airlines und Porter Airlines sorgen fĂŒr regionale Flugverbindungen. In Westkanada fliegen Air BC, die inzwischen zu Jazz Aviation gehören und Horizon Air, in Ostkanada Air Alliance (Sitz in QuĂ©bec) und Air Ontario (Ontario). Im Norden fliegen Gesellschaften wie Air Creebec (im Besitz der Cree), Air North (Whitehorse), Bearskin Airlines, Canadian North (Yellowknife) oder Air Inuit (Dorval) sowie First Air (Ottawa), die im Besitz von Inuit sind.
Air Transat und Air Canada fliegen auf internationalen und innerkanadischen Strecken, wobei Air Canada 1937 aus einer Eisenbahngesellschaft hervorging. FlughÀfen mit interkontinentalen Verbindungen befinden sich in Toronto, Montreal, Calgary, Ottawa, Edmonton, Vancouver, Québec, Halifax sowie Winnipeg.
1909 flog das erste kanadische Flugzeug 800 m weit (in Baddeck), 1915 entstand mit der Curtiss JN-3 das erste Serienflugzeug. Im Ersten Weltkrieg stellte Kanada bereits 22.000 Mitarbeiter bei den LuftstreitkrĂ€ften, obwohl die Canadian Air Force erst 1920 entstand. In den 30er-Jahren erfolgte ein massiver Ausbau der FlughĂ€fen, so dass mehr als die HĂ€lfte der gesamten Luftfracht in Kanada bewegt wurde und das Land 1945 587 FlugplĂ€tze aufwies. 1937 wurde Trans-Canada Airlines gegrĂŒndet, aus der 1964 Air Canada hervorging. 2009 wurde der 23. Februar zum National Aviation Day erklĂ€rt.cite-ref-165[165]
Eisenbahn
Die Eisenbahn ist im 19. Jahrhundert vom kanadischen Staat umfassend gefördert worden, um die Besiedlungspolitik zu unterstĂŒtzen und die nationale Einheit zu sichern. Dazu sollten die Distanzen zwischen den Provinzmetropolen durch transkontinentale Eisenbahnlinien ĂŒberwunden werden. Doch seit den 1930er-Jahren ging ihre Bedeutung zugunsten des StraĂenverkehrs erheblich zurĂŒck und besitzt seither nur noch innerhalb des QuĂ©bec-Windsor-Korridors groĂe Bedeutung im Personen(nah)- und GĂŒterverkehr.
AuĂerhalb dieses Gebietes beschrĂ€nkt sich die Bedeutung auf den MassengĂŒterverkehr und den Tourismus, vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa. Der ĂŒberregionale transkontinentale GĂŒterverkehr wird von den beiden Bahngesellschaften Canadian Pacific Railway und Canadian National Railway durchgefĂŒhrt. Betreiberin des öffentlichen Schienenpersonenverkehrs ist die VIA Rail Canada, der regionale GĂŒterverkehr wird von vielen privaten Gesellschaften betrieben. Zu diesen Hauptlinien kommen zahlreiche Nebenlinien, die zum Teil in privater Initiative wiederbelebt worden sind, wie die Esquimalt and Nanaimo Railway auf Vancouver Island.
Zwischen Toronto und Québec ist der Bau einer Eisenbahn-Schnellfahrstrecke namens Alto geplant.
Siehe auch
:
Liste nordamerikanischer Eisenbahngesellschaften
InnerstÀdtischer Nahverkehr
Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfĂŒgen kanadische GroĂstĂ€dte ĂŒber eine Vielfalt sehr gut ausgebauter Nahverkehrssysteme. WĂ€hrend in den Metropolen Toronto und Montreal seit den 1950er-Jahren gebaute, klassische U-Bahnen das RĂŒckgrat des innerstĂ€dtischen Nahverkehrs bilden, werden in kleineren GroĂstĂ€dten wie Calgary und Edmonton seit den 1980er-Jahren Stadtbahnsysteme (Light Rail) aufgebaut. In den ĂŒbrigen StĂ€dten werden vornehmlich Diesel- und teilweise Oberleitungsbusse eingesetzt; in Ottawa gibt es ein Bus-Rapid-Transit-Netz.
Die beiden gröĂten Nahverkehrsnetze liegen in Toronto mit der Toronto Transit Commission und Montreal mit je vier Schnellbahnstrecken und je etwa 150 Buslinien. In Toronto ist auĂerdem noch ein gröĂeres StraĂenbahnnetz mit elf Linien in Betrieb. Der im Zuge der Weltausstellung Expo 86 eröffnete, vollautomatische SkyTrain in Vancouver war lange das lĂ€ngste automatische Transportsystem der Welt.
Schifffahrt
Wichtige SeehĂ€fen befinden sich in den StĂ€dten am Sankt-Lorenz-Strom und in Vancouver. Zudem besteht auf den GroĂen Seen eine bedeutende Binnenschifffahrt. Wo keine natĂŒrlichen Wasserwege bestanden, baute man ab Anfang des 19. Jahrhunderts KanĂ€le. FĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung Kanadas ab 1821 war der Lachine-Kanal von entscheidender Bedeutung. In Zentralkanada war das Kanu schon seit jeher das gegebene Transportmittel, und auch heute noch sind viele Seen mit FĂ€hrschiffen ausgestattet und der Warenverkehr folgt dem Wasser.
Manche Orte sind nur ĂŒber See zu erreichen, wie entlang der WestkĂŒste von Vancouver nach Port Hardy auf Vancouver Island oder Prince Rupert gegenĂŒber von Haida Gwaii.
Die frĂŒhe ErschlieĂung des Landes erfolgte durch das Kanu und durch den Kanalbau, der einen weitlĂ€ufigen Binnenverkehr ermöglichte. Bis in die 1950er-Jahre trugen Schiffe einen erheblichen Teil der Passagiere, vor allem in abgelegenen Gebieten, doch stellten die meisten Linien, Ă€hnlich wie zahlreiche Eisenbahnstrecken, den Verkehr ein, als die groĂen ĂberlandstraĂen wie der Alaska Highway entstanden.
Telekommunikation
Kultur
Das heutige Kanada wird ĂŒberwiegend durch die europĂ€ischen EinflĂŒsse der Pioniere, Forscher, HĂ€ndler und Fischer aus GroĂbritannien, Frankreich und Irland, regional auch aus Deutschland und Osteuropa geprĂ€gt. In jĂŒngerer Zeit wird das Bild in gröĂeren StĂ€dten auch von Asiaten (zum Beispiel Vancouver, Toronto) und von Schwarzen aus der Karibik und aus Afrika ergĂ€nzt. Viele ihrer Traditionen bleiben weiterhin Teil von Kanada, etwa ihre Nahrung, Sprache, ErzĂ€hlungen, Geschichte, Feiertage und Sport. Die kulturellen Feste dieser Einwanderer sind ein fester Bestandteil des kanadischen Lebens, zum Beispiel das chinesische Neujahrsfest in Vancouver oder der Caribana-Umzug in Toronto. Viele Kanadier können noch heute ihre Wurzeln zurĂŒck zu diesen LĂ€ndern verfolgen und sind stolz auf ihre Herkunft. Der in vielen StĂ€dten ursprĂŒnglich vorherrschende britische Geist wurde mit der zunehmenden Einwanderung aus anderen LĂ€ndern weitgehend verwischt. Am deutlichsten ist er noch in Victoria zu erkennen. Dies gilt auch fĂŒr das frankophone Kanada, das ebenfalls starken EinflĂŒssen durch die Einwanderung ausgesetzt ist.
Kanada und GroĂbritannien teilen einen Abschnitt ihrer Geschichte und Kanada ist Mitglied des Commonwealth of Nations. Beide LĂ€nder sind in Personalunion verbunden. GroĂbritannien ist Kanadas drittgröĂter Handelspartner, und von dort kommen nach den USA die meisten auslĂ€ndischen Touristen. Die Verbindungen Kanadas zu anderen frankophonen LĂ€ndern sind in der Organisation internationale de la Francophonie institutionalisiert und es gibt einen regen kulturellen Austausch mit Frankreich. So ist Kanada beispielsweise am französischsprachigen Fernsehkanal TV5 Monde beteiligt.
Deutsche EinflĂŒsse sind vor allem in SĂŒdontario um die Stadt Kitchener (ehemals Berlin) prĂ€sent. In ganz SĂŒdontario, besonders im Gebiet von Kitchener sind Orte mit deutschen Namen verstreut. Kitchener wirbt damit, dass dort das gröĂte Oktoberfest auĂerhalb MĂŒnchens gefeiert wird.
Seit den 1970er-Jahren sind in Kanada viele Asiaten eingewandert, vorwiegend aus Hongkong, China und Korea. Insbesondere in Vancouver (spöttischer Name: Hongcouver)cite-ref-168[168] und Toronto bilden sie starke ethnische Minderheiten und die Chinatowns mit ihren chinesischen StraĂen- und Werbeschildern gehören zu den SehenswĂŒrdigkeiten.
Die Schaffung und der Schutz einer eigenstĂ€ndigen kanadischen Kultur wird durch Programme, Gesetze und Einrichtungen der Bundesregierung, zum Beispiel der CBC/Radio-Canada, dem NFB (National Film Board of Canada/Office national du film du Canada) und der CRTC (Canadian Radio-Television and Telecommunications Commission/Conseil de la radiodiffusion et des tĂ©lĂ©communications canadiennes) unterstĂŒtzt.cite-ref-169[169]
Indigene Kultur
Die Kulturformen der weit ĂŒber 600 First Nations, wie die Indianer sich ganz ĂŒberwiegend selbst bezeichnen, sind nicht einheitlich. Innerhalb des Landes, zwischen Stadt und Land, zwischen den ethnischen Gruppen sind die Unterschiede denkbar groĂ. Die verschiedenen Gruppen entwickelten eigene IdentitĂ€ten und kulturelle Strukturen. Dabei lassen sich groĂe Kulturareale unterscheiden. An der PazifikkĂŒste war die Kultur von Fischfang dominiert, vor allem vom Lachs, oder vom Walfang, wie bei den Nuu-chah-nulth auf Vancouver Island. Dort finden sich auch die gewaltigen WappenpfĂ€hle, deren gröĂter ĂŒber 50 m hoch ist. Im Binnenland dominierten Jagd, Sammeln und Flussfischerei. In den groĂen Ebenen, den Plains, war die Bisonjagd von zentraler Bedeutung, in anderen der Elch. Durch die Verbreitung des Pferdes entwickelte sich nach 1700 ein Reiternomadismus. An den GroĂen Seen hingegen dominierte eine agrarische Kultur mit GroĂdörfern.
Die nicht mit den Indianern verwandten Inuit im Norden des Landes, von denen man 2006 genau 50.485 zĂ€hlte,cite-ref-170[170] entwickelten eine ĂŒberwiegend von den arktischen LebensumstĂ€nden geprĂ€gte Kultur, die sich in vielerlei Hinsicht auf das ganze Kanada auswirkt. Ein Beispiel dafĂŒr stellt das Emblem der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver dar, ein Inuksuk, das aus aufeinander gestapelten Steinen besteht und eine menschliche Gestalt symbolisiert.
Die frĂŒhesten kommerziellen Erfolge feierten jedoch die bildenden KĂŒnste der Inuit schon seit den spĂ€ten 1940er-Jahren. Serpentin- und Marmorskulpturen, Arbeiten in Knochen und Karibugeweih, aber auch Kunstgrafik, WandbehĂ€nge und -teppiche, Schmuck, Keramiken und Puppen standen dabei im Mittelpunkt. Ihre Motive und Materialien gingen auf die natĂŒrlichen Umgebungen und vorhandene Traditionen zurĂŒck, wobei die erzwungene Sesshaftigkeit nun erheblich gröĂere Werke zulieĂ. Zudem waren die rund 25 Gemeinden, deren Bewohner nicht mehr autark-nomadisch lebten, nun auf Geldeinnahmen angewiesen, zu denen ihnen der Kunsthandel verhalf.
Zu den bekanntesten Inuit-Autoren zĂ€hlen der ehemalige âCommissioner of Nunavutâ Peter Irniq, der Schriftsteller, Dichter, Cartoonist und Fotograf Alootook Ipellie (1951â2007) und Zebedee Nungak (geb. 1951). Aus der Verbindung von Inuit-Musik und amerikanisch-kanadischer Popmusik formten die Inuit eine eigene Musik. Daneben bestehen weiterhin einfache Gesangsformen und der Kehlgesang (Throat singing). Die in Kanada erfolgreichste SĂ€ngerin ist die 1967 in Churchill geborene Susan Aglukark.
Die Erfolge der Inuit und die der US-amerikanischen Indianer inspirierten die indianischen KĂŒnstler Kanadas, eigenstĂ€ndig an eine auĂerindianische Ăffentlichkeit zu treten. FrĂŒh bekannt waren dabei die Masken und WappenpfĂ€hle der PazifikkĂŒste, die noch heute eine wichtige Rolle im SelbstverstĂ€ndnis, aber auch auf dem Kunstmarkt spielen. Ăhnlich wie die Literatur verfolgt die indianische Kunstszene aber nicht nur traditionelle Elemente, sondern verbindet sie mit euro-kanadischen Mitteln. Andere IndianerkĂŒnstler produzieren losgelöst von diesen Traditionen in deren Genres und mit deren Mitteln. Dabei sind dennoch KĂŒnstler mit einem spezifisch indianischen Weg, wie Norval Morrisseau, oder der Bildhauer und SchnitzkĂŒnstler Bill Reid, der das Werk Charles Edenshaws fortfĂŒhrte, erst seit den 60er-Jahren anerkannt worden. Meist stehen in der Literatur ökologische Probleme, Armut und Gewalt, entmenschte Technik oder SpiritualitĂ€t im Vordergrund. Dabei lassen sich die meisten ungern als âIndianerkĂŒnstlerâ etikettieren.
Musik
Seit der Kolonisierung ab dem frĂŒhen 17. Jahrhundert brachten die Einwanderer, je nach ethnischer Zusammensetzung, verschiedene europĂ€ische Musiktraditionen nach Kanada.cite-ref-171[171]cite-ref-172[172] Die Parallelentwicklung zur europĂ€ischen Musik ist vom Barock ĂŒber die Klassik und Romantik bis hin zur Gegenwartsmusik nie abgerissen. Doch fehlten in der Neuen Welt lange die nötigen Ressourcen, um groĂe AuffĂŒhrungen wie Opern in nennenswertem Umfang durchfĂŒhren zu können. Erst die Anpassung von Texten, aber auch der Austausch von Elementen zwischen den Einwanderergruppen brachte kanadische Eigenheiten hervor, zu denen EinflĂŒsse aus den USA kamen.
John Braham war einer der ersten SĂ€nger, die im ganzen Land bekannt wurden (ab 1841), Ă€hnlich Jenny Lind. Zudem bestanden zahlreiche Kirchenchöre und philharmonische Gesellschaften. Die ersten Gesellschaften dieser Art waren die New Union Singing Society aus Halifax (1809) und die QuĂ©bec Harmonic Society (1820). PopulĂ€r waren Balladen, Tanzmusik und patriotische Hymnen. Deutsche brachten erstmals den Klavierbau nach Kanada (Thomas Heintzman), ihm folgte der Orgelbau (Joseph Casavant). 1903 organisierte Charles A. E. Harriss den Cycle of Musical Festivals of the Dominion of Canada, an dem sich landesweit ĂŒber 4.000 SĂ€nger und Musiker in 15 StĂ€dten beteiligten. Mit dem Ersten Weltkrieg und der danach anwachsenden Schallplattenindustrie war der Höhepunkt selbst gemachter Musik, aber auch der Operngesellschaften ĂŒberschritten. Dennoch entstanden vor und nach der Weltwirtschaftskrise Symphonieorchester, insbesondere in den drei gröĂten StĂ€dten Montreal, Toronto und Vancouver. Sir Ernest MacMillan war der erste und einzige kanadische Musiker, der zum Ritter geschlagen wurde, und weitere SĂ€nger sangen auf den wichtigsten BĂŒhnen.
Erst Feldforscher wie Marius Barbeau, W. Roy Mackenzie, Helen Creighton und zahlreiche andere entdeckten die Volksmusik und die Musik der Indigenen. Wenn man von kanadischer Musik sprach, so war es nun die Gesamtheit der Folkmusik, die man im Land antraf. Doch blieb die Musikausbildung konservativ, d. h. stark angebunden an GroĂbritannien und Frankreich. Dennoch entstanden in den 1930er-Jahren MusikerverbĂ€nde, die nach dem Krieg die Suche nach kanadischer IdentitĂ€t auch in der Musik stĂ€rkten. Auch wurde diese Musik vom Staat gefördert, Sammlungen traditioneller und indianischer Musik inspirierten die aufgeschlossenere Generation. Publikationen wie The Canadian Music Journal (1956â1962), Opera Canada (seit 1960) und The Canada Music Book (1970â1976) untermauerten diese Entwicklung. Die Abkopplung der kanadischen Musik von der auslĂ€ndischen Avantgarde endete.
Kanadische Musiker beeinflussten die westliche Musik, wie etwa Rock- und Popmusik, in erheblichem AusmaĂ, wofĂŒr Namen wie Bryan Adams, Paul Anka, Michael BublĂ©, Leonard Cohen, CĂ©line Dion, Nelly Furtado, Avril Lavigne, Joni Mitchell, Alanis Morissette, Shania Twain, Justin Bieber oder The Weeknd stehen.
Bekannte Vertreter der Rockmusik sind Rush, Alannah Myles, Billy Talent, die Crash Test Dummies, Nickelback, Saga, Steppenwolf und Neil Young.
Zu den bedeutenden Jazzmusikern zÀhlen Paul Bley, Maynard Ferguson, Diana Krall, Moe Koffman und Oscar Peterson.
Avril Lavigne, Sarah McLachlan, Sloan und weitere Musiker haben sich der Initiative Canadian Music Creators Coalition (CMCC)cite-ref-173[173] angeschlossen und kĂŒndigten in einer GrundsatzerklĂ€rungcite-ref-174[174] an, kĂŒnftig wieder fĂŒr sich selbst sprechen zu wollen. Prozesse und das Digital Rights Management (DRM), vor allem aber die staatliche Förderung seien zu verbessern. Die CMCC forderte die Regierung auf, die KĂŒnstler gegen die Vermarktungspolitik meist auslĂ€ndischer und auf einen auslĂ€ndischen Markt gerichteter Musikkonzerne zu unterstĂŒtzen.
Immer noch von groĂer Bedeutung ist die Country-Musik, die auch von zahlreichen Indianern gespielt wird. Die Canadian Country Music Association ehrt jĂ€hrlich die bedeutendsten KĂŒnstler mit der Aufnahme in die Canadian Country Music Hall of Fame. Wichtige Interpreten sind bzw. waren etwa Wilf Carter, Hank Snow und Gordon Lightfoot.
Auf dem Gebiet der klassischen Musik ist der bekannteste Kanadier sicherlich Glenn Gould (1932â1982), der einer breiteren Ăffentlichkeit als begnadeter Interpret vor allem der Werke Johann Sebastian Bachs bekannt ist. BerĂŒhmtheit erlangte der damals 22-JĂ€hrige im Jahr 1955 mit einer aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg-Variationen. Seit 1987 vergibt eine nach dem Musiker benannte Stiftungcite-ref-175[175] den Glenn-Gould-Preis.
Auch die Symphonieorchester in Montreal und Toronto haben Weltruf, die Kammermusik hat einen erstklassigen Rang: Tafelmusik und das St. Lawrence String Quartet haben verschiedene Preise gewonnen. SĂ€nger wie Jon Vickers, Russell Braun und Michael Schade, der Flötist Robert Aitken sowie der Pianist Marc-AndrĂ© Hamelin und die Liedbegleiterin CĂ©line Dutilly sind bekannte Interpreten. Auch Werke der Komponisten R. Murray Schafer und Claude Vivier werden regelmĂ€Ăig aufgefĂŒhrt.
Film
Als erster Filmemacher gilt James Freer (1855â1933), ein Farmer, der ab 1897 Dokumentationen vorfĂŒhrte.cite-ref-176[176]cite-ref-177[177] 1917 richtete die Provinz Ontario das Ontario Motion Picture Bureau ein, um Filme zu Unterrichtszwecken drehen zu lassen. Bereits im folgenden Jahr entstand das Canadian Government Motion Picture Bureau.
Auf Anraten von John Grierson, der als Vater des britischen und kanadischen Dokumentarfilms gilt, wurde 1939 der National Film Act verabschiedet, ein Gesetz, das es gestattete, Propagandafilme fĂŒr Kriegszwecke zu drehen. 1950 wurde das Aufgabenspektrum des dazu gegrĂŒndeten National Film Board of Canada beauftragt, Kanada den Kanadiern zu erklĂ€ren, aber auch Nichtkanadiern. Mit der Canadian Film Development Corporation, aus der spĂ€ter Telefilm Canada hervorging, förderte der Staat Filmproduktionen. Das fĂŒr das Kulturerbe verantwortliche Department of Canadian Heritage stockte 2001 die Mittel fĂŒr Telefilm Canada auf. Den gleichen Zielen dient die Auszeichnung mit dem Genie Award, die jedes Jahr fĂŒr die besten kanadischen Filme erfolgt.
Kanada ist auch als Hollywood des Nordens bekannt. Wichtigste ProduktionsstĂ€tten kanadischer und US-amerikanischer Filme sind heute Vancouver, gefolgt von Montreal und Toronto. Dabei ist Alliance Films das einst gröĂte Medienunternehmen, heute nur noch ein RechtehĂ€ndler. Der französische Film ist innerhalb von Kanada hĂ€ufig erfolgreicher als der englische, weil der Quebecer Filmmarkt von US-Produktionen kaum direkt erreicht wird.
Das kanadische Autorenkino gewinnt dank erfahrener Cineasten wie Atom Egoyan (der bei der Berlinale 2002 PrÀsident der Jury war), David Cronenberg, Denys Arcand und Léa Pool, aber auch durch junge Filmemacher wie Jean-François Pouliot, Denis Villeneuve, Don McKellar, Keith Behrman und Guy Maddin immer mehr an Bedeutung.
Filmregisseure wie Jean-Claude Lauzon (âNight Zooâ (1987), LĂ©olo (1992)) und Denys Arcand (unter anderem âDer Untergang des amerikanischen Imperiumsâ (1986), âJesus von Montrealâ (1989) und âJoyeux Calvaireâ (1996), âDie Invasion der Barbarenâ (2003)) haben dem kanadischen Film zu internationaler Geltung verholfen.
Bekannte kanadische Schauspieler sind: Mary Pickford, Glenn Ford, Lorne Greene, Raymond Massey, Walter Huston, Jack Carson, Raymond Burr, Christopher Plummer, Donald Sutherland, Kiefer Sutherland, GeneviĂšve Bujold, Keanu Reeves, Dan Aykroyd, Pamela Anderson, Hayden Christensen, Leslie Nielsen, John Candy, Jim Carrey, Michael J. Fox, Mike Myers, William Shatner, Bruce Greenwood, Ryan Gosling, Ryan Reynolds, Carrie-Anne Moss und Sandra Oh. Wie man durch diese AufzĂ€hlung erkennen kann, sind viele kanadische Schauspieler hĂ€ufig in Hollywood-Produktionen tĂ€tig und genieĂen internationales Ansehen.
Theater
Das kanadische Theater, das aus einer starken mĂŒndlichen Tradition hervorgeht, hat nicht nur weltweit bekannte Regisseure wie Robert Lepage oder Denis Marleau hervorgebracht, sondern auch eine groĂe Anzahl von Theaterautoren, die in verschiedene Sprachen â unter anderem auch ins Deutsche â ĂŒbersetzt werden. So sind in jĂŒngster Zeit zum Beispiel Texte von Michel Marc Bouchard, Daniel Danis, Michel Tremblay, George F. Walker, David Young und Colleen Wagner von deutschen Ensembles aufgefĂŒhrt worden.
Literatur
Siehe auch
:
Kanadische Literatur
und
Liste kanadischer Schriftsteller
Die kanadische Literatur ist anfangs dadurch gekennzeichnet, dass sie hĂ€ufig von Autoren stammt, die entsprechend ihrer ethnischen Herkunft bestimmte Erwartungen an das Land herantrugen.cite-ref-178[178] Daher erscheint das Land oft als abweisend mit Blick auf seine Natur, als kulturelle WĂŒste, die von auĂen belebt wird, und als Rohstoff fĂŒr Karriere und Investitionen. Dabei spielten auch Erwartungen und Stereotype des Publikums von der Wildnis, unvorstellbarer Weite, von der EinfĂŒhrung der Zivilisation vor allem durch EuropĂ€er eine groĂe Rolle. Doch ĂŒberwiegt inzwischen der Drang, die eigene Kultur, die sich entwickelt hat, in ihrem Reichtum zu erfassen, ohne die Wurzeln abzuschneiden.
Historisch gesehen flossen vor allem französische, englische und irische Stile zusammen, die in ihren HeimatlĂ€ndern en vogue waren. Doch schon in den Reiseberichten entwickelte sich ein kanadisch geprĂ€gtes Genre, wie bei Samuel Hearne (1745â1792), Alexander MacKenzie, David Thompson, Catharine Parr Traill (1802â1899) oder Anna Jameson (1794â1860), wobei das Spektrum vom romantisierenden Abenteuerbericht (John R. Jewitt, 1783â1821) bis zur prĂ€zisen Analyse reicht (Susanna Moodie: Roughing It in The Bush, oder Forest Life in Canada, 1852). Mit der Konföderation (1867) stellte sich die Frage nach der nationalen Kultur. Ab Ende des 19. Jahrhunderts dominierten vier Figuren die literarische Szene: Duncan Campbell Scott (1862â1947), Charles G. D. Roberts (1860â1943), Archibald Lampman (1861â1899) und Bliss Carman (1861â1929), die auch als Confederation Poets (oder auch âConfederation Groupâ) bekannt waren.
WĂ€hrend des 19. Jahrhunderts drangen indigene (igloo) und lokale Wortschöpfungen (moose) in die Literatur ein, aber auch französische (gopher) in die englische und umgekehrt. Dennoch wird die englische Sprache im ganzen Land verstanden und von ĂŒbergreifenden Sprachstandards dominiert. In der französischen Literatur kommt als weiteres Element eine starke Anbindung an Frankreich und seinen Lebensstil hinzu, woraus sich eine Skepsis gegenĂŒber dem als britisch aufgefassten Rest-Kanada partiell erklĂ€rt.
Ein hervorstechendes Merkmal kanadischer Literatur ist der Humor, der allerdings eher untergrĂŒndig, zuweilen schwarz, und oft als Understatement eingesetzt wird. Dabei spielen regionale Traditionen des ErzĂ€hlens und des Anekdotischen eine wichtige Rolle, weniger die Themenwahl â es sei denn, es handelt sich um lokale Besonderheiten oder Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen. Zu den hĂ€ufig anzutreffenden Motiven zĂ€hlt die âgarrison mentalityâ (BunkermentalitĂ€t), die Entfremdung von der Heimat, in die man zurĂŒckkehrt, die Fremdheit im eigenen Land oder der spezifischen Kultur, aber auch das Zelebrieren der Wildnis, die fĂŒr spirituelle Gesundung sorgt.
Kanadier sind besonders ausgeprĂ€gt an der Geschichte ihrer Vorfahren interessiert, und so existiert eine groĂe Zahl von biographischen Versuchen zu den historisch bedeutsamen MĂ€nnern und Frauen. Doch auch dort sind Klischees fast unausweichlich. So gilt das katholische QuĂ©bec als mysteriös, Ontario als zwischen moralischer Klarheit und Lavieren hin- und hergerissen, die PrĂ€rien als isolierend und besitzergreifend, die WestkĂŒste als ProjektionsflĂ€che fĂŒr Hoffnungen und Erwartungen, die man selbst entlarven muss. Dabei steht das Landleben ĂŒberproportional im Vordergrund, wĂ€hrend die StĂ€dte lange beinahe ignoriert wurden. Dagegen waren Autoren wie Frances Brooke (1724â1789), Susanna Moodie (1803â1885), Sara Jeannette Duncan (1861â1922) und Nellie McClung (1873â1951) die Analytikerinnen des politischen Lebens, das sich in den StĂ€dten ballt.
Ein Gegensatz besteht zwischen der Wahrnehmung Europas und der des Nachbarn USA. Europa gilt als Hort der Verfeinerung, aber auch der extremen Regionalisierung, der Nachbar als Land der sozialen HÀrte und der Fixierung auf ökonomischen Erfolg.
Der Erste Weltkrieg brachte die AuĂenwelt wieder stĂ€rker in den Blick, und zugleich schĂ€rfte die Einwanderung die Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Kulturen, auch die der Indianer, die nun selbst begannen, sich auszudrĂŒcken. Die Malerin und Autorin Emily Carr (1871â1945) war hier fĂŒr den Westen von gröĂter Bedeutung, wenn sie auch in British Columbia lange auf Ablehnung stieĂ. Die Weltwirtschaftskrise brachte eine zunehmende BeschĂ€ftigung mit sozialen Problemen mit sich, der Zweite Weltkrieg wiederum zwang zur BeschĂ€ftigung mit Fragen der Macht, der Not, des Todes und wiederum der Heimkehr. Nach dem Krieg unterwarf Merrill Denison (1893â1975) den ĂŒbertriebenen Nationalismus einer satirischen Betrachtung, und auch Autoren der Linken kritisierten den politischen und wirtschaftlichen Weg und die zunehmende Dominanz der USA. Zugleich machten sich in QuĂ©bec antiklerikale Autoren deutlicher bemerkbar. Unter dem öffentlichen Optimismus der 1950er- und 1960er-Jahre entdeckten Malcolm Lowry (1909â1957) (Under the Volcano, 1947) und Ethel Wilson (1888â1980) (Swamp Angel, 1954) Alkoholprobleme und die Enge des Frauenlebens in dieser Zeit.
Materielle UnterstĂŒtzung und ein gröĂeres Publikum sorgten in den 60er-Jahren fĂŒr ein Anwachsen des literarischen Marktes, Zeitschriften wie Canadian Literature und Journal of Canadian Studies erschienen, dazu kamen Paperbackausgaben, die erschwinglicher waren. NischenmĂ€rkte entstanden, deren Publikum dennoch Autoren ernĂ€hren konnte. Sowohl die einzelnen Kulturen, als auch Frauen meldeten sich verstĂ€rkt zu Wort, wie etwa Margaret Atwood.
Seit den 70er-Jahren hat sich das Interesse an kanadischer Literatur verstetigt. So sind Autoren wie Leonard Cohen, Pierre ValliĂšres, Margaret Atwood, Michel Tremblay und Michael Ondaatje auch auĂerhalb der Staatsgrenzen bekannt. Zugleich entstand ein riesiger Markt fĂŒr populĂ€re Literatur innerhalb des Landes, wie die von Joy Fielding oder Douglas Coupland (Generation X).
Nach etwa 1985 wurden staatliche Mittel in einer konservativeren Phase zurĂŒckgefahren. Verlage wie Coach House Press, Deneau, Williams-Wallace mussten schlieĂen. Zudem lieĂ Kanada stĂ€rkere auslĂ€ndische Konkurrenz zu, vor allem aus den USA. Autoren wie Timothy Findley (1930â2002) versuchten sich gegen Restriktionen zu wehren, indianische Literatur fand Vertreter in Eden Robinson (Haisla, geb. 1968), Jeannette C. Armstrong (Okanagan), die das Schulsystem kritisierte, der Satiriker Thomas King (Cherokee) oder der Dramatiker Tomson Highway (Cree). Daneben traten eher poetische Autoren wie Rita Joe (Miâkmaq), Marilyn Dumont (MĂ©tis) oder Alootook Ipellie (Inuit).
2013 erhielt Alice Munro den Nobelpreis fĂŒr Literatur als âVirtuosin der zeitgenössischen Kurzgeschichteâ.
Bildende Kunst und Architektur
Wie in den meisten KĂŒnsten, so ignorierten die ersten Zuwanderer aus Europa weitgehend die Kunst der Ureinwohner. Sie brachten schon in ihren ersten WohngebĂ€uden und befestigten Hofanlagen sowie naturgemÀà im Festungsbau (zum Beispiel Louisbourg) und in Stadtanlagen europĂ€ische Traditionen mit. Auch die Dörfer des frankophonen Kanada lagern sich wie in Frankreich um die Kirche, wobei die Missionskirchen und die Kirchen von QuĂ©bec meist als Vorbilder dienten. Als Material herrschten Stein und Holz vor, Ziegel sind selten. Ăhnlich wie in der Bildhauerei kamen die in Frankreich und England vorherrschenden Stile jedoch, bedingt durch die KommunikationsverhĂ€ltnisse, mit deutlicher VerspĂ€tung an. Das galt auch fĂŒr die Ăbernahme der Klassik, nachdem die Briten Kanada erobert hatten.
Dennoch nahm die Malerei zwangslĂ€ufig die Ureinwohner auf, denn sie sollten fĂŒr die Berichterstattung bei Hof dargestellt werden. Sie waren zum Teil von groĂer Genauigkeit, wie die Indianer- und Inuit-PortrĂ€ts von John White (etwa 1540 bis etwa 1593), oder die Zeichnungen von Louis Nicolas (Codex canadiensis). Ende des 18. Jahrhunderts brachten Briten und die aus den USA geflohenen Loyalisten neue EinflĂŒsse, die sich vor allem in den neuen Siedlungen, wie Toronto, dominierend bemerkbar machten. Es kam sogar zu einem Goldenen Zeitalter der QuĂ©becer Malerei, wobei der Stil europĂ€isch blieb, doch die Motive wurden kanadischer. Der Schweizer Peter Rindisbacher dokumentierte etwa seine Reise durch die Hudson Bay in die Red-River-Kolonie, Paul Kane reiste durch den halben Kontinent.
In der Architektur bevorzugte man neo-klassische und neo-gotische Motive, wie in Europa, doch erhielt der britische Einfluss immer mehr Ăbergewicht. Mit dem reprĂ€sentativen Ausbau Ottawas und jeder Provinzhauptstadt versuchte man eine spezifisch kanadische Tradition auszudrĂŒcken. Zwischen 1873 und 1914 herrschten historisierende Stile vor, wobei sich die mitgebrachten Stile anderer europĂ€ischer Völker, wie der Italiener bemerkbar machten. Mit der Industrialisierung drangen neue Bautypen, wie StahlbrĂŒcken oder Bahnhöfe vor, neue Materialien, vor allem Metalle dominierten. Dazu kamen Glas und schlieĂlich Beton. James Wilson Morrice gilt als Vater des Modernismus in der Malerei. In der Skulptur herrschten historische Monumente auf PlĂ€tzen vor, vor allem KriegsdenkmĂ€ler nach dem Ersten Weltkrieg. Doch weiterhin herrschte hierin Europa vor, bis hin zum Art dĂ©co.
Die Group of Seven versuchte eine kanadische Malerei zu entwickeln; sie bezog ihre Inspiration aus der Landschaft. Als eine der ersten nahm Emily Carr dabei nicht nur die spezifische Landschaft des Westens auf, sondern auch die grandiose Kunst der Indianer der PazifikkĂŒste.
John Lyman grĂŒndete 1939 die Contemporary Arts Society, und ĂŒber Quebec kamen kubistische EinflĂŒsse, dort entstand die Gruppe der Automatistes. Gegen sie und den Surrealismus entstanden die Plasticiens, allen voran Guido Molinari und Claude Tousignant, Struktur- und Farbfragen traten stĂ€rker in den Vordergrund. Ăhnlich in Toronto, wo sich Jack Bush und Harold Town gegen den abstrakten Expressionismus wandten. Dabei versuchten diese Gruppen sich zugleich gegen den Einfluss der USA abzusetzen. Ăhnliches galt fĂŒr Bildhauer wie Robert Murray oder Armand Vaillancourt. Hingegen unterscheidet sich die Architektur kaum von der internationalen. Der Fotograf Yousuf Karsh gehörte zu den bedeutendsten PortrĂ€tfotografen des 20. Jahrhunderts.
In der Bildenden Kunst hat sich Kanada in Europa durch innovative KĂŒnstler einen Namen gemacht. Jeff Wall, Rodney Graham, Ken Lum und GeneviĂšve Cadieux haben fotografische Techniken auf neuartige Weise fĂŒr sich genutzt. Jana Sterbak hat auĂergewöhnliche konzeptuelle Environments geschaffen.
Speisen und GetrÀnke
Die Produktion von Nahrungsmitteln hĂ€ngt stark von den natĂŒrlichen Bedingungen ab. Daher weisen die RegionalkĂŒchen, wie etwa die der KĂŒstensĂ€ume und der Graslandschaften der PrĂ€rieprovinzen, entsprechende Schwerpunkte auf. WĂ€hrend etwa an der AtlantikkĂŒste der Fang von Hummern, genauer von Hummerartigen (Lobster) einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt, war es an der WestkĂŒste der von Wildlachs; letzter wurde allerdings von Lachszuchten fast vollstĂ€ndig verdrĂ€ngt, so dass einige Lachsarten, die noch vor wenigen Jahren in riesigen LaichzĂŒgen zu bewundern waren, inzwischen zu den bedrohten Tierarten gerechnet werden mĂŒssen.
Neben dem Umgang mit den natĂŒrlichen Ressourcen spielen aber auch kulturelle Unterschiede eine betrĂ€chtliche Rolle. Der französische Einfluss in QuĂ©bec ist nicht zu ĂŒbersehen, es gibt zahlreiche Restaurants mit der entsprechenden KĂŒche. Die PrĂ€rieprovinzen sind hierin sehr stark vom mittleren Westen der USA beeinflusst, wĂ€hrend sich im Ă€uĂersten Westen ein starker britischer Einfluss bemerkbar macht, wo der englische Tee im Alltag immer noch seinen Platz hat.
Im SĂŒden Kanadas, vor allem auf der Niagara-Halbinsel und im Okanagan-Gebiet sowie im SĂŒdosten von Vancouver Island in British Columbia wird Wein angebaut. Der ĂŒber 200 Jahre alte Weinanbau nahm einen neuen Aufschwung, da ab 1974 erstmals neue Weinbaulizenzen ausgegeben wurden, und weil die WeinbauverbĂ€nde (Vintners Quality Alliance) auf höhere QualitĂ€ten drĂ€ngten. Kanadische Weine tragen etwa die HĂ€lfte zum Gesamtkonsum des Landes bei, wobei bis 2006 Vincor International und Andres Wines dominierten. Vincor wurde allerdings vom US-Weinproduzenten Constellation Brands aufgekauft.
Spirituosen können nur in besonderen GeschĂ€ften oder in Restaurants gekauft werden, die die Bezeichnung Licensed Premises tragen. Viele Restaurants gestatten ihren GĂ€sten, eigenen Wein, Bier oder Ahornsirup mitzubringen. Das Mindestalter fĂŒr den Alkoholkauf liegt zwischen 18 und 19 Jahren.
Die vorherrschende Kaffee- und Fast-Food-Kette ist Tim Hortons, kurz Timâs oder Timmies. Das Unternehmen wurde 1964 in Hamilton, Ontario gegrĂŒndet und 2014 von Burger King Worldwide Inc. ĂŒbernommen und gehört damit mehrheitlich zur brasilianische Investmentgesellschaft 3G Capital. 2016 gab es ĂŒber 3.800 Niederlassungen in Kanada.cite-ref-179[179] Der schĂ€rfste Konkurrent beim Fast Food ist McDonaldâscite-ref-180[180], im Kaffeesektor das US-Unternehmen Starbucks.
Siehe auch
:
Weinbau in Kanada
,
Kanadisches Bier
und
Kanadische KĂŒche
Sport
â
Hauptartikel
:
Sport in Kanada
Der Sport in Kanada ist vielfĂ€ltig und umfasst zahlreiche Winter- und Sommersportarten.cite-ref-181[181] Als Nationalsportart seit 1859 offiziell anerkannt war bis 1994 nur das auf indianische Wurzeln zurĂŒckgehende Lacrosse. Es gilt seit 1994 als nationale Sommersportart. Seit 1994 ist Eishockey die nationale Wintersportart. Kanada gilt nicht nur als Mutterland des Eishockeys, sondern gehört auch zu den weltweit erfolgreichsten LĂ€ndern. Sieben kanadische Mannschaften sind in der NHL, der bedeutendsten Profiliga der Welt, vertreten. Auch im Lacrosse ist Kanada ĂŒberaus erfolgreich und besiegte beim World Lacrosse Championship von 2006 in London die USA.
Die bei Zuschauern beliebteste Sportart im Sommer ist neben Lacrosse Canadian Football, das groĂe Ăhnlichkeiten mit dem American Football aufweist. Das Meisterschaftsendspiel, der Grey Cup, weist bei im Fernsehen ĂŒbertragenen Sportereignissen die höchste Einschaltquote auf. Ebenfalls auf Interesse stoĂen Baseball, Basketball, Cricket, Curling, FuĂball, Rugby Union und Softball. Die am hĂ€ufigsten ausgeĂŒbten Einzelsportarten sind Eislaufen, Golf, Leichtathletik, Ringen, Schwimmen, Skateboarden, Skifahren, Snowboarden und Tennis. Da das Land ĂŒberwiegend ein kĂŒhles Klima besitzt, sind die Erfolge bei Wintersportarten tendenziell zahlreicher als bei Sommersportarten.
Kanada war Gastgeber zahlreicher internationaler Sportveranstaltungen, darunter die Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal und die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. Die Olympischen Winterspiele 2010 wurden in Vancouver ausgerichtet. Zudem waren kanadische StÀdte Ausrichter von vier Commonwealth Games und zahlreichen Weltmeisterschaften.
Special Olympics Kanada wurde 1969 gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
Feiertage
| Datum | Englische Bezeichnung | Französische Bezeichnung | Bemerkung | Status |
|---|---|---|---|---|
| 1. Januar | New Yearâs Day | Nouvel An | Neujahr | Bundesweit gesetzlicher Feiertag |
| Karfreitag | Good Friday | Vendredi saint | Karfreitag | Bundesweit gesetzlicher Feiertag |
| Ostermontag | Easter Monday | PĂąques | Ostermontag | Arbeitsfreier Tag fĂŒr Angestellte des Bundes (viele private Arbeitgeber folgen diesen Feiertagen) |
| Montag vor oder am 24. Mai | Victoria Day | FĂȘte de la Reine | Feier des Geburtstages des amtierenden britischen (und kanadischen) Monarchen. In QuĂ©bec fallen Victoria Day und FĂȘte des patriotes auf denselben Tag. | Gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und allen Territorien |
| 1. Juli | Canada Day | FĂȘte du Canada | zur Feier des British North America Act vom 1. Juli 1867. Ihm gehen zwischen 21. und 27. Juni National Aboriginal Day, FĂȘte nationale du QuĂ©bec und Canadian Multiculturalism Day voraus. | Nationalfeiertag und bundesweit gesetzlicher Feiertag |
| Erster Montag im August | Civic Holiday | Premier lundi dâaoĂ»t | Feiertag mit teilweise unterschiedlicher Benennung und Bedeutung je Provinz (z. B. British Columbia Day, New Brunswick Day, Saskatchewan Day) | Gesetzlicher Feiertag in einigen Provinzen |
| Erster Montag im September | Labour Day | FĂȘte du travail | Tag der Arbeit | Bundesweit gesetzlicher Feiertag |
| Zweiter Montag im Oktober | Thanksgiving | Action de grĂące | Erntedankfest | Gesetzlicher Feiertag in den meisten Provinzen und Territorien, freier Tag fĂŒr Angestellte des Bundes |
| 11. November | Remembrance Day | Jour du Souvenir | Tag zum Gedenken an die Kriegstoten | Gesetzlicher Feiertag in einigen Provinzen |
| 25. Dezember | Christmas | Noël | 1. Weihnachtsfeiertag | Bundesweit gesetzlicher Feiertag |
| 26. Dezember | Boxing Day | Lendemain de Noël | 2. Weihnachtsfeiertag | Gesetzlicher Feiertag in Ontario |
DarĂŒber hinaus gibt es bewegliche Feiertage, wie z. B. den Tag der Familie oder den Louis Riel Day.cite-ref-182[182]cite-ref-183[183]
Siehe auch
Literatur
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âą Karl Lenz: Kanada: Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-13841-4.
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Weblinks
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⹠Offizielle Website von Kanada (englisch und französisch)
âą Topographie Kanadas â amtliche PlĂ€ne und Karten (Portal) (englisch und französisch)
âą Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Kanada, im Juli 2018 6440 Titel zu Kanada, GIGA, Leibniz-Institut fĂŒr globale und regionale Studien
âą CIA World Factbook: Kanada (englisch)
âą Suchmaske im OPAC der SUB Göttingen, deutschsprachige Schwerpunktbibliothek fĂŒr Canadiana (Juli 2018: ca. 12.000 Titel)
⹠Statistiken zu Kanada (englisch und französisch)
⹠Kanada. In: The Canadian Encyclopedia. Abgerufen im 1. Januar 1 (englisch, französisch).
âą LĂ€nderprofil des Statistischen Bundesamtes
âą Literatur von und ĂŒber Kanada im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
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